Die Deutschen und ihr Auto – Können wir loslassen?

Foto: Kalu Ci

Hacker, Datenschutz, neue Gefahren im Straßenverkehr? Was wissen wir über die Akzeptanz zum autonomen Fahren in Deutschland?

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Wir würden gerne erfahren, was Sie persönlich über das autonome Fahren denken und wie Ihnen die-debatte.org gefällt. Nehmen Sie hier an unserer 5-minütigen Umfrage teil. Die Antworten werden von der Abteilung für Kommunikations- und Medienwissenschaften der TU Braunschweig in einem begleitenden Forschungsprojekt ausgewertet.

Werden sich autonome Fahrzeuge in unserer Gesellschaft durchsetzen? Technisch ist es durchaus möglich, rechtlich lösbar und für unseren Alltag verspricht es mehr Komfort, mehr Zeit, weniger Verkehr und saubere Städte. In der Diskussion ums autonome Fahren ist also die Frage nach der Akzeptanz in der Bevölkerung entscheidend. Wir können und dürfen – aber wollen wir das auch?

„Es ist auch in der Zukunft zu erwarten, dass autonomes Fahren nicht an der Akzeptanz der Fahrerinnen und Fahrer scheitert“

(Prof. Ortwin Renn)

Wie steht’s um die Akzeptanz?

In einer repräsentativen Umfrage des Digitalverbands Bitcom haben sich 59 Prozent der Befragten dagegen ausgesprochen, dass selbstfahrende Autos in Deutschland bald zugelassen werden, 41 Prozent dafür. Zwei von drei Deutschen misstrauen einer Umfrage der BertelsmannStiftung zufolge selbstfahrenden Autos. Die Akzeptanz für autonomes Fahren ist also in Deutschland durchaus noch unklar. Die Sorge um technische Probleme (63 Prozent) und die Angst, dass ein autonomes Auto gehackt werden könnte (61 Prozent), ist laut Bitcom-Umfrage groß. Trotz aller noch zu leistenden Überzeugungsarbeit, ist Prof. Ortwin Renn, wissenschaftlicher Direktor am Institut für transformative Nachhaltigkeitsforschung (IASS) in Potsdam, dennoch optimistisch: „Wir sehen heute, dass sich die Einstellung gegenüber dem autonomen Fahren von Jahr zu Jahr zum Positiven verändert und zunehmend zur verbesserten Akzeptanz führt. Von daher ist auch in der Zukunft zu erwarten, dass autonomes Fahren nicht an der Akzeptanz der Fahrerinnen und Fahrer scheitert“.

Orange auf Türkis. Die Zahlen zur Akzeptanz

Auto-Emotionen

Für viele ist das eigene Auto mehr als ein Gebrauchsgegenstand. Das Auto ist Stil und Status zugleich und hat einen enorm hohen emotionalen und kulturellen Stellenwert. Die Kontrolle über das Lenkrad abzugeben empfinden einige mit einem unmittelbaren Verlust an Freiheit und Unabhängigkeit. Für den Soziologen und Mobilitätsforscher Dr. habil. Weert Canzler vom Wissenschaftszentrum Berlin ist das in der Diskussion um autonome Fahrzeuge durchaus relevant: „Eine entscheidende Frage ist, ob es unsere bisherigen Vorstellungen von Automobilität nicht total durcheinander bringen würde, wenn das vollständig autonom agierenden Autos zum Normalfall würde. Wo bliebe dann die ‘Freude am Fahren’ und die ‘Selbstbeweglichkeit’, die das Automobil seit jeher verspricht?“ Doch was spricht dagegen, dass man bei der Strecke zum Arbeitsplatz oder zum Einkaufen auf das autonome Fahrzeug ausweicht, den manuell steuer- und fahrbaren Flitzer aber für Spritztouren am Wochenende in der Garage stehen hat?

Dass nicht jeder autonome Fahrzeuge als Alternative akzeptieren wird, ist für Ortwin Renn gar nicht entscheidend: „Da es sich bei der Anschaffung von Fahrzeugen um Individualentscheidungen handeln wird, ist eine flächendeckende Partizipation nicht unbedingt erforderlich“. Die grundsätzliche Akzeptanz wird also nicht auf der individuellen, sondern auf der gesamtgesellschaftlichen Ebene entschieden, den die Automatisierung des Fahrens mit sich bringt.

Das autonome Fahrzeug als Chance?

Und dieser Nutzen kann durchaus vielfältig sein. Laut einer Umfrage unter ADAC-Mitgliedern sehen 57 Prozent in autonomen Fahrzeugen die Möglichkeit, auch solchen Menschen Mobilität zu ermöglichen, die sich ansonsten nicht selbst aktiv hinter das Steuer setzen wollen oder können. Gerade in ländlichen Gebieten mit eingeschränktem Nahverkehr und für ältere Personen ist die Zukunft verheißungsvoll, denn sie bleiben oder werden durch autonome Fahrzeuge erst mobil.

„Das Hacking-Problem ist ungelöst. Gelingt das nicht, ist das ein Show-Stopper.“

(Dr. habil. Weert Canzler)

 

„Keiner will die Verkehrsstrafen vom Zentralrechner bekommen und niemand möchte seine Bewegung in der Stadt aufgezeichnet haben“

(Prof. Raul Rojas)

Wovon hängt die Akzeptanz ab?

„Die größte Hürde ist eine ausreichende Absicherung gegen Systemfehler und Hackerangriffe“ (Ortwin Renn). In den USA ist es Hackern bereits gelungen über das gehackte Infotainmentsystem eines Fahrzeugs von außen die Steuerung zu übernehmen. Hier besteht also tatsächlich Nachholbedarf. Auch für Weert Canzler ist dies eine zentrale Frage: „Das Hacking-Problem ist ungelöst. Es wird entscheidend darauf ankommen, autonome oder von außen gesteuerte Fahrzeuge ‘hacking-sicher’ zu machen. Gelingt das nicht, ist das ein Show-Stopper.“ Das zu gewährleisten, stellt eine hohe Hürde für die Einführung autonomer Fahrzeuge dar.

Und was ist mit dem Datenschutz? „Keiner will die Verkehrsstrafen vom Zentralrechner bekommen und niemand möchte seine Bewegung in der Stadt aufgezeichnet haben“, sagt Prof. Raul Rojas von der FU Berlin. Anders sieht das aus, wenn sich integrierte Verkehrskonzepte wie das Carsharing durchsetzen sollten. „Wenn in Zukunft alle Autos Taxis sind, ist das Problem kleiner, da ich nur anonym fahre, der Zentralrechner kann dann ruhig wissen, wo alle Busse und Autos sind“, so Raul Rojas. Und vermutlich wird auch keines der dann vollständig autonomen Taxis noch Verkehrsdelikte begehen…

„Der Einzelfall wird am Ende entscheidend sein“

(Prof. Oliver Bendel)

Der wohl wichtigste Faktor für die Akzeptanz autonomer Fahrzeuge ist die Sicherheit. Der Unfall eines autonomen Teslas in den USA im vergangenen Jahr hat die Diskussion um die Sicherheit des autonomen Fahrens deutlich angeheizt. Das gleiche gilt auch für die Diskussion in Deutschland:„Im Mischverkehr würden ernste Unfälle mit vollautonomen Fahrzeugen die grundsätzlich vorhandene Akzeptanz schwer treffen“, so Weert Canzler. Für Prof. Oliver Bendel von der Hochschule für Wirtschaft an der Fachhochschule Nordwestschweiz sind Unfälle sogar das entscheidende Kriterium dafür, ob sich autonome Fahrzeuge durchsetzen werden: „Der Einzelfall wird am Ende entscheidend sein – die konkrete Tötung eines bestimmten Menschen durch eine bestimmte Maschine. Darüber wird man diskutieren.“

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