Autonomes Fahren – Das war die Debatte

Zwei Wochen haben wir uns mit autonomem Fahren in Deutschland beschäftigt. Wir blicken zurück, schauen auf eure Meinungen und die gesamte Debatte.

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In den letzten Wochen haben wir mit Hintergrundtexten, Interviews, Infografiken, Videos und einer Live-Debatte in Braunschweig die verschiedensten Aspekte des autonomen Fahrens beleuchtet.

Während der gesamten Debatte zum autonomen Fahren war uns insbesondere der Dialog mit und die Beteiligung von der Gesellschaft wichtig. Dabei erreichten uns über Facebook, twitter, YouTube und die Homepage so viele und verschiedene Fragen, dass wir gar nicht alle an unsere Expertenrunde weitergeben konnten. Viele haben wir dennoch diskutiert – für einige haben wir Antworten gefunden, andere haben Aspekte offen gelassen oder sogar neue Fragen aufgeworfen.

Auch Mai, die während unserer Live-Debatte die Fragen aus dem Netz und aus dem Publikum gesammelt und an die Expertenrunde gestellt hat, war über all die Kommentare überrascht: So viele Menschen haben mitdiskutiert und Fragen gestellt, sowohl online als auch im Publikum, so hat das richtig Spaß gemacht. Leider konnte ich nur einen Bruchteil der Fragen aus dem Publikum in die Debatte einbringen, eigentlich hätte man noch Stunden weiter diskutieren können.“

Vertrauen sie autonomen Fahrzeugen?

Bei unserer Live-Debatte in Braunschweig haben wir auch unser Publikum gefragt, ob es autonomen Fahrzeugen vertraut – dort wurde mit einer großen Mehrheit unsere Frage bejaht. Also ist die Akzeptanz in Deutschland längst vorhanden?

In unserem Projekt arbeiten wir mit dem Meinungsumfrage-Tool Opinary zusammen. Dort kann jeder innerhalb von Sekunden seine Position zu dem gefragten Thema mitteilen. Unsere Umfrage gab es nicht nur auf der Seite www.die-debatte.org, sondern auch in Online-Medien wie Huffington Post, bento oder focus online. Dabei haben uns 8.385 Personen auf dieselbe Frage geantwortet.

Das Ergebnis der Online-Umfrage fällt dabei ganz anders aus als vor Ort in Braunschweig: Knapp zwei Drittel aller Befragten (62 %) stimmen eher mit der Aussage überein „Nein, ich behalte lieber die Kontrolle“. Dabei fällt auf, dass Frauen sogar noch deutlicher (69 %) als Männer dem autonomen Fahrzeug misstrauen. Hat deshalb das autonome Fahrzeug in Deutschland keine Zukunft? Insbesondere junge Teilnehmerinnen und Teilnehmer (14 bis 17 Jahre) schenken dem autonomen Fahrzeug mehr Vertrauen (37 %). Je jünger die Befragten also, desto höher ist das Vertrauen in autonome Fahrzeuge: vielleicht also doch vor allem eine Generationsfrage? Trotz alledem scheint die Skepsis davor, vom Fahrer zum Mitfahrer zu werden, durchaus noch relevant in vielen Köpfen zu sein.

Wie sieht es mit dem Vertrauen unserer Leser aus?

Was hält die Wissenschaft von der Debatte?

Wirklich überrascht haben die Antworten in unserer Umfrage allerdings nicht. Sie decken sich sogar mit viel zitierten Umfrageergebnissen. Dabei könnte auch die Art, wie die Debatte in Deutschland geführt wird, maßgeblich zu der Haltung beitragen.

Danach gefragt, wie die Debatte in Deutschland wahrgenommen wird, haben einige unserer Expertinnen und Experten bemängelt, dass diese nur unzureichend über alle relevanten Dimensionen stattfindet. „Die Darstellung ist sehr privatautofixiert und oft verliebt in die Endstufe des vollautomatisierten Fahrens“, sagte so beispielsweise Dr. habil. Weert Canzler. „Zur Zeit verläuft die Debatte vor allem in Richtung Technik, rechtliche Rahmenbedingungen und ein wenig ethische Reflexion. Das ist zu wenig, um die ganz Bandbreite der Bedeutung des autonomen Fahrens zu reflektieren“ (Prof. Ortwin Renn). Auswirkungen auf unsere Städte, unser Nutzerverhalten, unsere Zeit: All das haben wir in unserem Artikel zu den Visionen des autonomen Fahrens versucht zu beleuchten und den Blick dafür zu schärfen, aber ist das tatsächlich für das Individuum ausschlaggebend?

Es gibt noch so viel, worüber man sich bei diesem unfassbar breiten Thema autonomes Fahren Gedanken machen muss.”

Moderatorin Mai-Thi Nguyen-Kim

Kritik äußerten nicht nur Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, sondern auch Chris Boos, der mit seinem Unternehmen versucht, intelligente Technologien in den menschlichen Alltag zu integrieren. „Ich glaube, wir führen eine völlig falsche Debatte über das autonome Fahren.“ Dabei betont er vor allem die Dominanz von ethischen Fragen und Sorgen vor Unfällen, wünscht sich aber eine Diskussion über die Chancen und den ökonomischen Mehrwert der gewonnenen Zeit.

Vielleicht bedarf es also einer stärkeren Diskussion der vernachlässigten Dimensionen. Aber wie kann es gelingen, diese vordergründig zu debattieren? Die Debatte sollte dafür nicht nur zwischen Industrie und Politik, sondern vor allem auch mit der Gesellschaft geführt werden. Denn, so Mai nach unserer Veranstaltung in Braunschweig: „Es gibt noch so viel, worüber man sich bei diesem unfassbar breiten Thema autonomes Fahren Gedanken machen muss.” Die Beiträge auf Die Debatte sollen dazu nur Anreiz und Input sein.

Wir würden gerne erfahren, was Sie persönlich über das autonome Fahren denken und wie Ihnen die-debatte.org gefällt. Nehmen Sie hier an unserer 5-minütigen Umfrage teil. Die Antworten werden von der Abteilung für Kommunikations- und Medienwissenschaften der TU Braunschweig in einem begleitenden Forschungsprojekt ausgewertet.

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1 Kommentare

  • Peter Huch

    03.06.2017, 17:48 Uhr

    Autonomes Fahren? Damit ich in das Auto-Fernsehn glotzen kann? Weiter so! Die Regierung braucht Idioten.

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