Bienenschwund: Viele Ursachen – viele Lösungsansätze

Foto: Eric Ward

Was es für Initiativen zum Bienenschutz gibt und womit sich diese beschäftigen

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Global im Aufwind, lokal gefährdet und die Gründe dafür sind vielfältig – so könnte man das Thema Sterben der Honigbienen kurz und knapp zusammenfassen.

Aber was für Initiativen gibt es aus der Gesellschaft? Können Hobbyimker und Bienenfreunde etwas sinnvolles gegen das Bienensterben unternehmen und was braucht es, damit die gesamte Debatte richtig geführt wird?

„Es gibt viele Handlungsansätze für Politik, Landwirtschaft und Kommunen“.

(Corinna Hölzel) 

„Dabei hat es die Honigbiene im Vergleich zu anderen Bienenartigen sogar noch am besten“, sagt Prof. Dr. Josef Settele vom Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung UFZ „Sie sind im Prinzip ein Haustier, deshalb kann man sie ganz gut managen. Wir können für sie neue Lebensräume schaffen und ihnen so ein Überleben ermöglichen“. Da im Bienenstock der Honigbienen ein eigenes Klima herrscht und sie über eine ausgeklügelte Sozialstruktur verfügen, können sie sich leichter an neue Lebensumstände anpassen als etwa Hummeln oder Wildbienen.

„In Deutschland korreliert die Anzahl der Honigbienen stark mit der Anzahl an Imkern. Die nimmt seit einigen Jahren wieder zu, ein gutes Zeichen für die Bienen“, sagt Settele. Einer der Gründe: Der Lärm um das Bienensterben. Initiativen wie „Berlin summt!“ sind durch das Interesse von Öffentlichkeit und Politik entstanden und haben es sich zum Ziel gemacht, neue Lebensräume für Bienen (auch auf Balkonen und in Schrebergärten) zu schaffen. Durchaus mit Erfolg, doch ausreichend ist diese Maßnahme noch nicht.

„Es gibt viele unterschiedliche Faktoren die für den Rückgang der Bienen eine Rolle spielen. Deshalb brauchen wir auch verschiedene Lösungsansätze“, sagt Corinna Hölzel, Pestizidexpertin beim BUND. „Eines der Probleme ist, dass wir über die Effekte, die die Kombination der Einzelfaktoren hat, noch zu wenig wissen. Dennoch gibt es viele Handlungsansätze für Politik, Landwirtschaft und Kommunen“.

Mehr Wissen über Bienen zu gewinnen ist auch das Ziel des Citizen Science Projekts „Bee Observer – BOB“, das von der Universität Bremen geleitet und vom BMBF gefördert werden soll. „Wir arbeiten schon seit längerem mit Sensorsystemen in Bienenstöcken. Diese sollen dann im Bienenstock Daten erheben und so Aufschluss über den Zustand der Bienenpopulation geben. Dabei geht es um Faktoren wie Temperatur, Luftfeuchtigkeit, Flugverhalten und Gewicht“, sagt Thorsten Kluß. Ein Datenabgleich mit vorhandenen Umgebungsdaten soll ihm und seinen Kolleginnen dann Aufschluss darüber geben, wie es den Bienen geht und welche Aspekte sich positiv oder negativ auf sie auswirken. Mit diesem Wissen lassen sich konkrete Handlungsempfehlungen an die Imker und Landwirte ableiten.

„Was wir wirklich brauchen ist eine gesellschaftliche Debatte über die Balance von Biodiversität, Naturschutz und unsere Lebensweise.”

(Prof. Dr. Josef Settele)

Erste Bestrebungen dazu gibt es bereits. Josef Settele war einer der leitenden Autoren eines Berichts des Weltrats für Biologische Vielfalt (IPBES), der die Bestäuberproblematik analysiert. Darüberhinaus gibt der Bericht Handlungsempfehlungen, die zur Lösung beitragen sollen. „Wir glauben, dass es nicht die eine Lösung gibt, sondern wir eine Vielzahl von Maßnahmen brauchen“, sagt Settele. Neben der besseren Aufklärung der Imker könnten Landwirte beispielsweise Wildblumen zwischen Felder pflanzen und mehr natürliche Pflanzenschutzmittel in der richtigen Dosierung einsetzen. Pestizide sieht er als wichtigen Teil des Problems, aber eben nicht als einziges.

„Fruchtfolgen und Mischkulturen statt Monokulturen sowie mehr Vielfalt auf unseren Wiesen und Feldern zu fördern, ist neben dem Verbot von schädlichen Pestiziden sicherlich eine der vielversprechendsten Lösungen“, sagt auch Corinna Hölzel. An diesem Punkt setzt beispielsweise das Projekt BienABest des Vereins Deutscher Ingenieure (VDI) an, das den Bestand der Wildbienen sichern will und dabei unter anderem auf die Entwicklung von Saatgutmischungen und die Erprobung und Anlage von Nahrungshabitaten für die Bienen setzt.

Berlin brummt!, BienABest und der BeeObserver sind drei von vielen kleinen und großen Projekten, die in den letzten Jahren ins Leben gerufen wurden, um die Situation der Bienen zu verbessern. Erste und richtige Schritte, da sind sich die Experten einig. Settele wünscht sich jedoch noch etwas Anderes: „Was wir wirklich brauchen ist eine gesellschaftliche Debatte über die Balance von Biodiversität, Naturschutz und unsere Lebensweise. Die wird bisher noch zu wenig geführt und ohne sie lassen sich die Probleme nicht lösen“.

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