„Wir müssen das Zusammenspiel aller Faktoren kennen, um den Bienen zu helfen“

Ein Gespräch mit Thorsten Kluß

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Ihr Projekt „Bee Observer – BOB“ soll vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) im Rahmen von Citizen Science Projekten gefördert werden. Was genau steckt dahinter?

Es geht uns darum herauszufinden, wie es Bienen in Deutschland geht und welche Umstände ihr Leben beeinflussen. Dabei wollen wir vor allem Imker mit einbinden, da sie sich täglich mit Bienen beschäftigen.

„Wichtig für die Analyse ist vor allem die Fülle an verschiedenen Parametern.“

Wie genau soll das funktionieren?

Zum einen wollen wir natürlich in den Dialog mit den Imkern treten. Darüber hinaus sind wir als Informatiker an Messdaten für eine Analyse interessiert. Wir arbeiten schon seit längerem mit Sensorsystemen in Bienenstöcken. Diese sollen dann im Bienenstock Daten erheben und so Aufschluss über den Zustand der Bienenpopulation geben. Dabei geht es um Faktoren wie Temperatur, Luftfeuchtigkeit, Flugverhalten und Gewicht. Wichtig für die Analyse ist vor allem die Fülle an verschiedenen Parametern. Nur so erhält man ein komplettes Bild über den Zustand der Bienen. Wir müssen das Zusammenspiel aller Faktoren kennen, um den Bienen zu helfen.

„Wir wollen Daten verschiedener Standorte einander gegenüberstellen und auch mit Daten vergleichen, die uns über die Umgebung zur Verfügung stehen.“

Sind solche Sensorsysteme teuer?

Ja. So ein System kann locker 15.000 Euro kosten, wenn es ein wissenschaftlicher Laboraufbau ist. Deshalb arbeiten wir eng mit der Maker-Szene zusammen. Eine Szene, die quasi mit den 3D-Druckern aufgekommen ist und ein enormes Potenzial für ganz viele Bereiche besitzt. Wir arbeiten in unserem Projekt mit dem Hiveeyes Projekt zusammen, die sich mit der Imkerei beschäftigen. So kann es uns gelingen, den Imkern eine Anleitung bereitzustellen, mit denen sie die Sensoren selbst in den Bienenstock einbauen können, ohne viel Geld auszugeben.

Was genau passiert mit den Messdaten aus den Bienenstöcken?

Wir erhoffen uns Erkenntnisse über die Entwicklung, den Gesundheitszustand und mögliche Gefahrenquellen für die Bienenvölker. Wir wollen Daten verschiedener Standorte einander gegenüberstellen und auch mit Daten vergleichen, die uns über die Umgebung zur Verfügung stehen. Das können Klimadaten sein, Daten über den Pestizideinsatz oder beispielsweise das Vorkommen von Monokulturen in einem bestimmten Gebiet. So erhoffen wir uns Rückschlüsse darauf, wie sich die unterschiedlichen Faktoren positiv beziehungsweise negativ auf die Bienen auswirken.

Warum sollten die Imker mitmachen?

Zum einen haben die meisten per se ein Interesse am Überleben der Bienen und damit auch am Wissen über sie. Darüber hinaus profitieren Sie aber auch direkt von unseren Daten. Wir wollen ihnen per App Daten zur Verfügung stellen, die ihnen Informationen über ihre Bienenstöcke liefern, die sie bisher nur schwer bekommen.

Zur Person

Thorsten Kluß ist Informatiker an der Universität Bremen und Wissenschaftler im Citizen Science Projekt Bee Observer BOB. Das Projekt wird gemeinsam mit der Berliner Maker-Gruppe Hiveeyes sowie Imkerinnen und Imkern deutschlandweit Bienenstöcke mit Sensortechnik ausstatten, um Daten über den Zustand von Bienenvölkern aufzuzeichnen.

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1 Kommentare

  • Ulrike Schmidt

    16.08.2017, 13:29 Uhr

    Guten Tag,

    klasse Aktion und ich würde sehr gerne mitmachen. Ich imkere seit 4 Jahren mit nur 2 Völkern. Ich habe einen sehr guten Honigertrag, mache von jedem Honig eine Pollenanalyse und weiß daher, dass die Bienen wenig oder gar nicht von Monokulturpflanzen ihren Pollen und Nektar holen. Ich behandle nicht mit den üblichen Säuren, sondern mit einem Thymian Produkt gegen die Varroa und habe bis jetzt wenig Befall.
    Ich würde mich sehr gerne an der Erhebung beteiligen. Den Sensor bekommen wir vermutlich in Eigenarbeit zusammengebaut, der Mitimker ist technisch versiert und ausgebildeter Elektroinstallateur, tätig an einer Berufsschule.

    Grüße,

    Ulrike schmidt

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