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Die Corona-Pandemie – Das war Die Debatte

Eine Zusammenfassung

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Corona, genauer gesagt, die Atemwegserkrankung Covid-19, die durch das Virus SARS-CoV-2 ausgelöst wird, bestimmt seit mehreren Monaten das Leben und den gesellschaftlichen Diskurs in Deutschland. Die Debatte hat die Anfangszeit der Corona-Pandemie begleitet und Erkenntnisse aus der Wissenschaft beigetragen.

Für viele Menschen dürften die Kontaktbeschränkungen wohl die erste spürbare Einschränkung durch die Corona-Pandemie gewesen sein. Social distancing sollte helfen, die Verbreitung der Corona-Pandemie zu verlangsamen und insbesondere Risikogruppen vor einer Infektion zu schützen. Allerdings warnen die Experten bei Die Debatte auch vor möglichen gesundheitlichen Risiken dieser ersten Maßnahmen. Der Psychiater Prof. Dr. Ulrich Hegerl sorgte sich dabei vor allem um Menschen mit Depressionen. 

„Meine große Sorge ist, dass es durch den Rückgang der Versorgungsqualität für Menschen mit Depressionen zu einer Zunahme der Suizide und Suizidversuche kommt.“

Prof. Dr. Ulrich Hegerl, Goethe-Universität Frankfurt

Eine weitere psychologisch bedingte Folge der Pandemie sind Hamsterkäufe, die sich in Deutschland vor allem vor leeren Toilettepapierregalen in den Supermärkten bemerkbar machten.

 

 

Nicht nur durch übermäßige Vorratseinkäufe, auch durch die Bagatellisierung der aktuellen Lage, übermäßigen Konsum von Alkohol oder anderer Substanzen und die Flucht in Verschwörungstheorien versuchen Menschen Ängste, die eine unbekannte Situation auslöst, zu kompensieren, so die Psychologin Dr. Donya Gilan.

„Verschwörungserzählungen bieten diese Möglichkeit. Sie bieten Struktur und einfache Lösungen für komplexe Sachverhalte.”

Dr. Donya Gilan, Leibniz-Institut für Resilienzforschung

Die Herkunft, die finanzielle Lage, die Sozialisation und die Gesellschaft in der ein Mensch lebt, spielen ebenfalls eine Rolle beim Umgang mit der Corona-Pandemie. Der Ethnologe Prof. Dr. Hansjörg Dilger erklärt, dass in Asien und Südafrika beispielsweise schnellere und drastischere Maßnahmen eingeführt wurden, weil man dort bereits Erfahrungen mit Krankheitsausbrüchen, wie SARS in den Jahren 2002/03, HIV/AIDS und Tuberkulose, gemacht hat.

Die Corona-Einschränkungen wurden beschlossen, um das deutsche Gesundheitssystem nicht zu überlasten. Laut Experten hat das in Deutschland im internationalen Vergleich auch ganz gut funktioniert. Homeoffice, Grenzschließungen, Reisewarnungen, eine heruntergefahrene Produktion und ein drastisch reduzierter Flugverkehr sorgten als Nebeneffekt für deutlich verminderte Stickstoffdioxid-Konzentrationen in Europa. So sanken die Emissionen in Deutschland beispielsweise um rund 30 Prozent. 

Der Corona-Effekt wirkt sich positiv auf das Klima aus, die Wirtschaft ist aber während der Corona-Pandemie zusammengebrochen. Wie sehr die Wirtschaft leiden wird, hänge vor allem mit der Dauer der Corona-Pandemie zusammen, sagt Prof. Dr. Christian Leßmann. Prof. Dr. Andreas Peichl sieht das ähnlich und spricht sich für eine schrittweise Exitstrategie aus dem Lockdown aus. Gleichzeitig betont er:

„Es wird wichtig sein, dass wir die Verlierer kompensieren, damit es in der Folge nicht zu Populismus, Nationalismus und Anti-Demokratischen Bewegungen kommen wird.”

Prof. Dr. Andreas Peichl, Ludwig-Maximilians-Universität München

Den Debatten-Experten zufolge hat die Corona-Pandemie außerdem gezeigt, wie wichtig ein nachhaltiger Umgang mit unserer Natur für unsere Gesundheit ist. Denn präventiver Gesundheitsschutz kann durch Umweltschutz erreicht werden. Der Ökologe Prof. Dr. Josef Settele betont die Bedeutung von Biodiversität und sagt im Interview mit Die Debatte: “Je geringer die Artenvielfalt, desto höher die Wahrscheinlichkeit der Übertragung neuer Infektionskrankheiten.” Die Biologin Dr. Sandra Junglen pflichtet ihm bei:

„Da muss langfristig ein Umdenken stattfinden, denn die einzelnen Ökosysteme sind wichtig für die gesamte Erde als funktionierendes Ökosystem und letztlich für unsere Gesundheit.“

Dr. Sandra Junglen, Charité-Universitätsmedizin Berlin

Unsere Live-Debatte musste Corona-bedingt online stattfinden. Unter dem Titel „Corona-Pandemie: Streitthema Kinder” diskutierte das virtuelle Podium mit dem zugeschalteten Publikum, wie sich die Corona-Pandemie auf Kinder auswirkt. Die Bildungs- und Familienökonomin Prof. Dr. C. Katharina Spieß wies darauf hin, wie wichtig Schulen und Kitas für die Entwicklung von Kindern sind. Der Erziehungswissenschaftler Prof. Dr. Klaus Zierer erläuterte, wie Homeschooling und die Rückkehr zu Präsenzunterricht sinnvoll gestaltet werden kann. Mit dieser Thematik beschäftigt sich auch unser Artikel Plötzlich Ersatzlehrerin. Die Medizinerin Prof. Dr. Angelika Eggert gab während der Debatte einen Überblick zur Infektiosität von Kindern. Den aktuellen Stand der Forschung zum Verlauf von SARS-CoV-2 bei Kindern haben wir hier noch einmal zusammengefasst.

 

 

Die Schul- und Kitaschließungen beeinflussen nicht nur Kinder, sondern stellen Eltern vor das Problem, Kinderbetreuung und Berufstätigkeit zu vereinbaren. Vor allem Mütter übernehmen den Großteil der zusätzlichen Sorgearbeit, was ein Rückschlag für die Gleichberechtigung ist.

Wir lernen, dass in Deutschland die Förderung und Unterstützung von Familien nicht die Aufmerksamkeit zukommt, die der Bedeutung von Familie für unsere Gesellschaft und Volkswirtschaft entspricht”, sagt Prof. Dr. Katharina Spieß und kritisiert im Interview mit Die Debatte, dass nur knapp sechs Prozent der 130 Milliarden Euro des Corona-Konjunkturpakets in die Bereiche Bildung und Familie investiert werden.

Der Debatte-Experte Prof Dr. Christian Leßmann bewertet das Konjunkturpaket im Großen und Ganzen als in Ordnung, sagt aber:

„Ein erheblicher Teil der Maßnahmen wirkt eher langfristig als kurzfristig. Damit wird auch der konjunkturelle Effekt überschaubar sein.”

Prof. Dr. Christian Leßmann, Technische Universität Braunschweig

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