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„Lernen bleibt lernen“

Ein Gespräch mit Prof. Dr. Klaus Zierer

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Wir würden gerne erfahren, was Sie persönlich über Digitalisierte Kindheit denken und wie Ihnen die-debatte.org gefällt. Nehmen Sie hier an unserer 5-minütigen, anonymen Umfrage teil. Die Antworten werden von der Abteilung für Kommunikations- und Medienwissenschaften der TU Braunschweig in einem begleitenden Forschungsprojekt ausgewertet.

Sollte digitale Medienbildung bereits in der Grundschule eine Rolle spielen?

Die Auseinandersetzung mit Digitalisierung im Bildungsbereich ist ohne Frage notwendig. Da bereits Kinder in ihrem Alltag digitale Medien intensiv nutzen, werden wir in der Schule nicht umhinkommen, uns dazu in irgendeiner Weise zu positionieren. Aber hier ist aus meiner Sicht entscheidend welche Schwerpunkte wir setzen. Gehe ich von den Bereichen der Medienkunde, der Mediennutzung, der Mediengestaltung und der Medienkritik aus, dann gibt es aus pädagogischer Sicht sicherlich Bereiche die wichtiger sind als andere.

Welche Kompetenzen sind denn aus ihrer Sicht besonders wichtig?

Aus meiner Sicht ist es nicht entscheidend, Kindern beizubringen, wie ein Smartphone zu bedienen ist. Die Geräte sind doch so konstruiert, dass Kinder eigenständig und in kurzer Zeit die meisten Funktionen entdecken und erlernen können. Viel wichtiger erscheint mir der reflektierte Umgang mit den digitalen Medien. Man kann beispielsweise bereits Kindern bewusst machen, wie ihr Medienkonsum aussieht, wo Vorteile und Nachteile des Medieneinsatzes liegen, oder man macht Kindern sichtbar, wie lange, wann, wo und warum sie digitale Medien nutzen. Das ist für Kinder sehr häufig ein Aha-Effekt.

„Wichtig  ist, dass mit dem Einsatz digitaler Medien nicht etwas ersetzt wird, was analog genauso gut gehen würde.“

Kann man diese Dinge, die wir unter den Begriff Medienkompetenz zusammenfassen, denn im Unterricht erlernen?

Das hängt davon ab, wie der Medieneinsatz erfolgt. Allein der einfache Einsatz digitaler Medien wird nur zu geringen Effekten im Bereich der Medienkunde, der Mediennutzung und der Mediengestaltung führen. Wenn der Einsatz aber über den alltäglichen Gebrauch hinausgeht und vor allem die Medienkritik ins Zentrum gerückt wird, kann digitale Medienkompetenz in einem umfassenden Sinn gefördert werden. Hier hängt alles von der Frage ab, wie der Unterricht gestaltet ist.

Wie sollten digitale Medien idealerweise in den Unterricht eingebunden werden?

Aufgabenstellungen können durch digitale Medien erweitert oder gar neu formuliert werden. Das heißt, dass im Unterricht Aufgaben gestellt werden können, deren Lösung ohne den Einsatz digitaler Medien nicht möglich wäre. Wichtig dabei ist aber immer, dass mit dem Einsatz digitaler Medien nicht etwas ersetzt wird, was analog genauso gut gehen würde. Denn dann wäre der Mehrwert dahin. Ob ich beispielsweise Informationen für Lernende an der Tafel oder auf dem Smartboard festhalte, für den Lernerfolg wird das keinen großen Unterschied zur Folge haben. Ein guter Einsatz von digitalen Medien könnte aber neue Formen der Zusammenarbeit eröffnen. Beispielsweise könnten Schulklassen, die räumlich voneinander getrennt sind, interagieren oder man definiert beispielsweise neue Lernanlässe, wie eine Aufgabe bearbeitet werden kann, beispielsweise das Drehen eines Films.

„Bei all der Diskussion über digitale Medien dürfen wir den entscheidenden Faktor für Bildungserfolg nicht aus den Augen verlieren: den Menschen.“

Was verspricht man sich von dem Einsatz digitaler Medien im Unterricht?

Viele versprechen sich dadurch eine digitale Revolution. Damit wird aber vor allem der Einsatz digitaler Medien zur Optimierung von Lernprozessen angesprochen – weniger die Vermittlung der digitalen Medienkompetenz. Ob Kinder durch den Einsatz digitaler Medien besser lernen hängt von den pädagogischen und didaktischen Konzepten ab. Das galt übrigens schon für nicht-digitale Medien. Lernen bleibt lernen. Egal ob analog oder digital gelernt wird.                                                                          

Bei all der Diskussion über digitale Medien dürfen wir den entscheidenden Faktor für Bildungserfolg nicht aus den Augen verlieren: den Menschen. Millionen für die Anschaffung der neuesten Technik auszugeben ist sinnvoll, kann aber nur der erste Schritt sein. Der zweite Schritt muss dafür Sorge tragen, dass Menschen die Kompetenzen erhalten, Technik sinnvoll für sich nutzen zu können.

Zur Person

Der Erziehungswissenschaftler Prof. Dr. Klaus Zierer ist Leiter des Lehrstuhls für Schulpädagogik an der Universität Augsburg. 

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