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Risiken digitaler Medien – das sagen die Parteien

Die Positionen in voller Länge

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Mit welchen Maßnahmen können Kinder vor dem Suchtpotenzial digitaler Medien geschützt werden?

Nadine Schön, MdB, CDU/CSU:

Klar ist: Smarte Endgeräte sind in unserem Alltag angekommen. Ihre Funktionen erleichtern uns das Leben in vielerlei Hinsicht: Ob chatten mit Freunden, schnell in der App nach der nächsten Bahn sehen oder den neusten Clip des Lieblings-Youtubers ansehen – heute alles alltäglich. Aber und das ist die Kehrseite: Digitale Medien können abhängig machen. Kinder und Jugendliche sind hier besonders anfällig. Anstatt zu reglementieren, finde ich es jedoch besser – ähnlich wie bei anderen potenziellen Suchtmitteln – zu überlegen, wie ein passender Umgang mit den smarten Geräten aussehen könnte.

Wichtig ist, dass Jugendliche Inhalte kritisch beurteilen lernen, mögliche Gefahren erkennen und wissen, wie sie sich schützen können. Hier sind wieder Eltern und Lehrpersonen in der Pflicht – als aktive Zuhörer, wichtige Ansprechpartner und interessierte Mitlernende. Sie haben zudem eine Vorbildfunktion. Wenn sich Eltern mit dem Smartphone an den Abendbrottisch setzen oder ihr Kind im Kindergarten abgeben, ohne das Gerät vom Ohr zu nehmen, ist das problematisch.

Lars Klingbeil, MdB, SPD:

Gerade wenn digitale Medien in Erziehungs- und Bildungseinrichtungen im gemeinsamen Leben und Lernen eine Rolle spielen, können in der Gruppe und in Zusammenarbeit mit den Eltern Empfehlungen und Regeln zur Mediennutzung erarbeitet werden, die Sucht- und anderen Gefahren der Mediennutzung entgegenwirken.

Nicola Beer, MdB, FDP:

Es ist wichtig, dass Medien- und Methodenkompetenz im Umgang mit digitalen Medien von Beginn an vermittelt werden. Zudem muss über die Risiken und Gefahren aufgeklärt werden, um vor Missbrauch zu schützen. Wir Freien Demokraten wollen die Medienkompetenz fest in den Bildungsstandards verankern. Lehrerinnen und Lehrer sollen im Bereich Medienkompetenz verpflichtend weitergebildet werden – hier brauchen wir eine regelrechte Lehrerfortbildungsoffensive. Übrigens gehört aus unserer Sicht auch das Verständnis von der Funktionsweise informationstechnischer Systeme, künstlicher Intelligenz sowie der Computersprache zur Vermittlung von Medienkompetenz dazu.

Tabea Rößner, MdB, Bündnis90/Die Grünen:

Damit Kinder und Jugendliche Angebote und Dienste kompetent und selbstbestimmt nutzen können und vor möglichen Risiken geschützt sind, sind eine umfassende Novellierung des Jugendschutz-Gesetzes (JuSchG) und eine Stärkung der Medienkompetenz aller Altersgruppen erforderlich. Um der zunehmenden Medienkonvergenz Rechnung zu tragen, muss der Kinder- und Jugendmedienschutz vereinheitlicht werden und sich unabhängig von medialen Verbreitungswegen am Gefährdungsgrad der verbreiteten Medieninhalte orientieren.

Außerdem müssen die Hersteller stärker in die Verantwortung genommen werden. Die Bundesregierung sollte Regelungen zu verpflichtenden Warnhinweisen über das Suchtpotenzial eines Spiels, Spieldauereinblendungen und automatische Spielpausen, die in das Spiel integriert sind, in Angriff nehmen. Die Anbieter müssen außerdem dazu verpflichtet werden, auf Hilfsangebote und Beratungsmöglichkeiten für Medienabhängige hinzuweisen. In sozialen Netzwerken und Chats sollte eine unkomplizierte und endgültige Abmeldung ermöglicht werden.

Eltern benötigen differenzierte Informationen, die sie in die Lage versetzen, die von ihren Kindern genutzten Angebote und deren Nutzungsverhalten richtig einschätzen zu können. Nicht jede/r Jugendliche, die/der mehrere Stunden täglich am Computer spielt oder im Internet surft, ist automatisch abhängig. Für die meisten jungen Menschen gehört es zu ihrem Alltag, Teil der „digitalen Gesellschaft“ zu sein. Freundschaften aus Schule oder Freizeit werden digital gepflegt, Hobbys sowohl im Netz als auch zu Hause oder im Verein betrieben etc. Eine konsequente Medienerziehung und das Nutzungsverhalten der Eltern sowie die Zugänglichkeit von Medien für Kinder spielen ebenfalls eine wichtige Rolle für den Umgang mit dem Suchtpotenzial digitaler Medien.

Anke Domscheit-Berg, MdB, DIE LINKE:

Eine altersabhängige zeitliche Beschränkung vor allem des Internetzugangs aber auch von offline Spielen an digitalen Geräten ist zu empfehlen, denn genau wie früher beim Fernsehen neigen Kinder auch heute dazu, den passiven Medienkonsum zu maximieren – wenn man sie lässt. Die Verführung ist heute noch größer als früher. Wie in jeder Erziehungsfrage kommt es auf klare Regeln an, die auch eingehalten werden. Aber auch die Vorbildrolle der Eltern ist wichtig: Sind sie ansprechbar, oder hängen sie nur am Handy oder Notebook? Gucken sie selbst dauernd auf ein Display, auch wenn es gerade Abendbrot gibt? Bei der zeitlichen Beschränkung muss jedoch berücksichtigt werden, ob es z.B. Hausaufgaben gibt, die digitale Medien erfordern, ob ein Kind nur „daddelt“ oder sich mit sinnvolleren und gestalterischen Dingen beschäftigt (es ist ein Unterschied, ob nur ein Klickspiel gespielt wird, oder ob ein Kind einen eigenen Trickfilm am Tablet erstellt oder eine interaktive Geburtstagskarte für Oma). Bei Handys sollte man auch berücksichtigen, dass es Kommunikationswerkzeuge sind und eben nicht (nur) eine Art Spielkonsolen. Ist ein Kind sehr neugierig, ist es okay, spontan bei Wikipedia Dinge nachzuschlagen. Eltern sollten aufmerksam darauf schauen, was ihre Kinder so machen. Nachts sollte das Handy bei Kindern nicht im Kinderzimmer liegen. Bei suchtgefährdeten Kindern können Eltern auch helfen, indem sie für interessante Alternativen sorgen, gemeinsam Dinge unternehmen, die auch die Kinder spannend finden, ihnen Aufmerksamkeit schenken.

 

Anmerkung der Redaktion: Von der AfD ist bis Redaktionsschluss kein entsprechendes Statement eingegangen, weshalb die Positionen der Partei in dem Artikel nicht berücksichtigt werden können.

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