Digitale Bildung – was macht die Politik?

Foto: Deutscher Bundestag/Simone M. Neumann

Positionen der Parteien im Bundestag

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Wir würden gerne erfahren, was Sie persönlich über Digitalisierte Kindheit denken und wie Ihnen die-debatte.org gefällt. Nehmen Sie hier an unserer 5-minütigen, anonymen Umfrage teil. Die Antworten werden von der Abteilung für Kommunikations- und Medienwissenschaften der TU Braunschweig in einem begleitenden Forschungsprojekt ausgewertet.

Über Erziehung und Bildung wird viel gestritten. Nicht nur im familiären Rahmen, in den Medien und in Bildungseinrichtungen, sondern auch in der Politik gibt es eine heiße Debatte rund um das Thema digitale Medien. Gehören Smartphones in Kinderhände? Wie müssen sich Schulen an den digitalen Wandel anpassen? Und wie können Kinder vor Risiken der digitalen Medien geschützt werden? Wir haben die Parteien im Bundestag zu ihren Positionen befragt.

Nutzung bereits in frühen Jahren

Dass digitale Medien bereits zum Alltag von Kindern gehören, darüber sind sich alle Parteien einig. Während die stellvertretende Vorsitzende der CDU/CSU-Fraktion, Nadine Schön, überzeugt ist, „je früher wir mit der digitalen Bildung anfangen, desto besser“, wird allerdings von der Linken keine Notwendigkeit gesehen, dass sich bereits Kleinkinder mit digitalen Medien beschäftigen. Spätestens in der Grundschule wollen aber alle Parteien die Medienbildung und -nutzung zu einem festen Bestandteil des Unterrichts machen. Die FDP sieht dadurch eine deutliche Stärkung der individuellen Fördermöglichkeiten. Die Grünen halten Medienbildung und ein digitales Umfeld sogar für erforderlich, um dem Kinderrecht auf Schutz, Förderung und Partizipation auch zukünftig gerecht werden zu können. Die SPD und die Linke betonen besonders die Chance, dass Kinder Interesse für Technik und MINT-Themen entwickeln können, noch bevor Geschlechterstereotypen einer solchen Entwicklung im Weg stehen könnten.   

Medienkompetenz ist zentral

Die Parteien stimmen auch darin überein, dass die Mediennutzung der Kinder die Begleitung von Erwachsenen erfordert. Dabei geht es nicht nur um das Erlernen eines verantwortungsvollen Umgangs mit den Medien, sondern auch um die Vermittlung von technischem Know-how. Bereits in der Grundschule sollen Kinder spielerisch programmieren lernen und erste Zugänge zur Informatik finden können. „Das ist sinnvoll und bringt ihnen unterstützend zum Unterricht in der Schule bei, dass digitale Medien nicht nur Konsumwerkzeuge sind, sondern Werkzeuge der digitalen Gesellschaft“, sagt Anke Domscheit-Berg, Bundestagsabgeordnete der Linken.

Für die Vermittlung von Medienkompetenz sind Lehrkräfte und Eltern die Personengruppen, die von den Parteien als maßgebliche Verantwortliche genannt werden. Die FDP fordert insbesondere eine Modernisierung der Lehrpläne und umfangreiche Fortbildungen für Lehrpersonal, um Medienkompetenz sinnvoll vermitteln zu können. Weiterbildungen für Fachkräfte sind auch von SPD und CDU/CSU vorgesehen. Die Grünen fassen die Aufgabe der Medienbildung noch weiter und sehen sie als Aufgabe der gesamten Jugendhilfe. Die Linke betont besonders auch die Pflicht der Eltern, ihre Kinder zu begleiten.

Investitionen geplant

Damit digitale Medien angemessen in den Unterricht eingebunden werden können, mangelt es an vielen Schulen noch an der Ausstattung und an der Infrastruktur. Die Grünen fordern daher Investitionen, um Schulen auf einen aktuellen Stand zu bringen. Die FDP fordert sogar Ausgaben von 1000 Euro pro Schüler. „Ein Tablet wird für Schüler künftig zur Grundausstattung gehören“, sagt FDP-Generalsekretärin Nicola Beer. Sollte die große Koalition in den nächsten Wochen Realität werden, könnte auch die Umsetzung des DigitalPakts#D stattfinden, mit dem insgesamt fünf Milliarden Euro in Schulen investiert werden sollen, 3,5 Milliarden davon bereits in der aktuellen Legislaturperiode.

Risiken entgegenwirken

Neben all den Chancen, die digitale Medien bieten, gibt es jedoch einigen Experten zufolge auch Risiken für Kinder – wie ein hohes Suchtpotenzial von Computerspielen oder Gewaltvideos im Internet. Wie will die Politik diesen Herausforderungen begegnen? Die FDP sieht hier vor allem den Schulunterricht in der Pflicht, Kinder aufzuklären. Die SPD hält dagegen und sieht die Verantwortung eher bei den Eltern, die Regeln und Empfehlungen aufstellen müssten, um den Risiken entgegen zu wirken. „Es kommt maßgeblich darauf an, den Kindern durch erziehungspartnerschaftliche Ansätze ein gutes und gesundes Aufwachsen mit Medien zu ermöglichen“, sagt SPD-Generalsekretär Lars Klingbeil. So sieht das auch die Linke und nennt die Eltern als wichtiges Vorbild für ihre Kinder. Vorbild und Ansprechperson in Fragen rund um digitale Medien sollten Eltern auch laut CDU/CSU für ihre Kinder sein. Für die Grünen ist es bei diesem Thema besonders wichtig, dass es zu einer Novellierung des Jugendschutzgesetzes kommt und Hersteller von Spielen stärker in die Verantwortung genommen werden. „Die Bundesregierung sollte Regelungen zu verpflichtenden Warnhinweisen über das Suchtpotenzial eines Spiels, Spieldauereinblendungen und automatische Spielpausen, die in das Spiel integriert sind, in Angriff nehmen“, sagt die Bundestagsabgeordnete Tabea Rößner von Bündnis90/Die Grünen.

Glaubt man also den Aussagen der Politikerinnen und Politiker, wird der Digitalisierung an Schulen zukünftig nichts im Wege stehen. Selten sind sich die Parteien im Bundestag bei einem Thema so einig. Neben großzügigen Investitionen planen sie eine Verbesserung des Medienunterrichts an allen Schulen. Lediglich beim Jugendschutz gehen die Meinungen über geeignete Maßnahmen auseinander. Was jedoch momentan zur Umsetzung von alledem fehlt, ist vor allem eines: eine amtierende Regierung.

 

Die Statements der Parteien in voller Länge finden Sie unten.

Anmerkung der Redaktion: Von der AfD ist bis Redaktionsschluss kein entsprechendes Statement eingegangen, weshalb die Positionen der Partei in dem Artikel nicht berücksichtigt werden können.

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