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Foto: Filip Mroz

Wie E-Zigaretten auf Jugendliche wirken und warum das ein gesellschaftliches Problem ist

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E-Zigaretten werden vor allem von Rauchern und ehemaligen Rauchern konsumiert (Mit Volldampf voraus: Löst die E-Zigarette den Glimmstängel ab?), können der Raucherentwöhnung dienen und sind ersten Studien und Experteneinschätzungen zufolge weniger krebserregend als Tabakzigaretten (E-Zigarette: weniger schädlich, aber nicht gesund). Bei etwa 121.000 Rauchertoten pro Jahr in Deutschland (2015) erscheint die E-Zigarette ihren Verfechtern als ein probates Mittel, um die Zahl der durch Zigaretten verursachten Krebstoten zu verringern.

Doch das ist nur die eine Seite der Medaille: Denn Experten fürchten auch, dass die E-Zigarette ein sanfter Einstieg in den Tabakkonsum sein könnte. „E-Zigaretten können für Jugendliche als vermeintlich harmlose Variante des Rauchens einen gewissen Reiz haben“, sagt Michaela Goecke, Leiterin des Referats Suchtprävention in der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung.

„Der Konsum von E-Zigaretten unter den Befragten Jugendlichen war weiter verbreitet als der Konsum von Tabakzigaretten.“

(Dr. Katharina Diehl)

Und die Befürchtung ist nicht unbegründet. Am Mannheimer Institut für Public Health der Universität Heidelberg hat man sich intensiv mit der Verbreitung von E-Zigaretten unter Jugendlichen auseinandergesetzt. „In unserer Studie PrevEND unter 840 Schülerinnen und Schülern im Alter von 12 bis 13 Jahren zeigte sich, dass 16,2 Prozent der Befragten mindestens einmal eine E-Zigarette benutzt haben“, sagt Dr. Katharina Diehl, die an der Studie mitgewirkt hat. Besonders auffallend: „Der Konsum von E-Zigaretten unter den Befragten war weiter verbreitet als der Konsum von Tabakzigaretten.“

Die E-Zigaretten in bunten Farben und Geschmacksrichtungen sprechen vor allem junge Leute an. „Die in E-Zigaretten verwendeten Liquids gibt es in verschiedenen Geschmacksrichtungen, was die Neugier wecken kann“, sagt auch Goecke. Eine amerikanische Studie ermittelte, dass für Jugendliche tatsächlich die Neugier an dem Produkt das häufigste Motiv (54,4 Prozent) ist, um E-Zigaretten auszuprobieren. Allerdings dicht dahinter: Die attraktiven Aromen (43,8 Prozent), die ohne, aber eben auch häufig mit Nikotin versetzt sind.

„Nikotin ist ein stark abhängig machender Suchtstoff und gehört nicht in die Hände von Jugendlichen“

(Michaela Goecke)

„Insbesondere wenn die Liquids Nikotin enthalten, besteht die Gefahr, dass jugendliches Probierverhalten in eine Nikotinabhängigkeit führt“, sagt Goecke. Eine Gefahr, die vor allem für die besonders schützenswerte Bevölkerungsgruppe der Jugendlichen verhindert werden sollte. Denn „Nikotin ist ein stark abhängig machender Suchtstoff und gehört nicht in die Hände von Jugendlichen“, argumentiert Goecke weiter. Die gesundheitsschädigende Wirkung von Nikotin ist dabei unumstritten. So kann das Nervengift zu Herz-Kreislauf-Erkrankungen führen und selbst über einen Zusammenhang mit der Entstehung von Krebs wird in verschiedenen Studien (Mishra et al., Grando) diskutiert.

„Mit der E-Zigarette hat die Industrie nun eine Produktrevolution in den Händen, mit der der Suchtstoff Nikotin auf einfachste Weise weltweit Milliarden Menschen zugänglich wird.“

(Prof. Sven Schneider)

Tatsächlich ist die E-Zigarette „eine Art Revolution für den Nikotinmarkt“, sagt Diehl. Wurde Nikotin lange Zeit fast ausschließlich über Tabakprodukte vertrieben, bieten sich nun neue Möglichkeiten den Suchtstoff zu verpacken. Prof. Sven Schneider, ebenfalls am Mannheimer Institut für Public Health, sagt dazu: „Mit der E-Zigarette hat die Industrie nun eine Produktrevolution in den Händen, mit der der Suchtstoff Nikotin auf einfachste Weise weltweit Milliarden Menschen zugänglich wird.“ Die Folgen sind noch weitestgehend unerforscht. Doch der Aufwand der Tabakindustrie, Produkte im Markt der E-Zigaretten-Produkte zu platzieren, verbunden mit den Werbekosten, ist bemerkenswert. So vermutet Schneider, „dass die E-Zigaretten-Industrie den Nikotintransfer und damit das Abhängigkeitspotenzial durch technische Veränderungen und die chemische Zusammensetzung von Liquid und Dampf künftig weiter ‘optimieren’ wird.“ Was bedeutet das für den Konsum in der Gesellschaft? „Generell besteht durchaus die Gefahr, dass durch die E-Zigarette der Konsum von Nikotin wieder zunimmt“, so Diehl.

Experten und Wissenschaftler fordern daher vor allem eine bessere Aufklärung über die Risiken der Produkte. Aber auch eine gesellschaftliche Debatte über die Risiken wäre wichtig. Denn auch die Frage, ob jugendliche Konsumenten von E-Zigaretten schneller oder häufiger zu Rauchern von Tabakprodukten werden, hat sich wissenschaftlich noch nicht eindeutig feststellen lassen. Das gibt Zeit, für uns zu definieren, wie wir als Gesellschaft insgesamt mit solchen (verzichtbaren) Suchtmitteln umgehen wollen. Denn man muss kein Experte sein, um zu wissen: Rauchen, dampfen, paffen – irgendwelche erwärmten oder erhitzten Stoffe tief in die Lunge zu inhalieren ist immer schädlicher, als darauf zu verzichten.

Infobox: Explodierende E-Zigaretten

Auch wenn der Fokus in der Diskussion um die E-Zigarette bei Fragen rund um die Gesundheit liegt, gibt es noch andere Gefahren. So weisen Studien und die US-Katastrophenbehörde darauf hin, dass E-Zigaretten explodieren und schwere Verbrennungen verursachen können. Rund 80 Prozent der Explosionen passieren beim Aufladen des Akkus – also meist ohne Personenschaden, aber mit erheblicher Brandgefahr.

Infobox: Hacker-Angriffe

Auch für den eigenen Computer kann die E-Zigarette gefährlich sein. Denn Hacker können sie als Trojanisches Pferd benutzen und dadurch an Daten gelangen. So warnt das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik vor E-Zigaretten und einer Reihe anderer Produkte mit USB-Anschluss.

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