Mit Volldampf voraus: Löst die E-Zigarette den Glimmstängel ab?

Foto: Christian Sterk

Verbreitung und Rechtslage in Deutschland und im internationalen Vergleich

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Erdnussbutter, Glühwein oder doch klassisches American Blend-Aroma? Die verschiedenen Geschmacksvarianten an E-Zigaretten ähneln inzwischen der Warenpalette in einem Supermarkt. Doch besteht allein darin der Erfolg der elektronischen Zigarette? Wer dampft eigentlich und haben E-Zigaretten tatsächlich das Potenzial herkömmliche Zigaretten zu ersetzen?

Fest steht: Die E-Zigarette ist in Deutschland auf dem Vormarsch. Innerhalb eines Jahres stieg der Umsatz von E-Zigarette-Produkten von 275 Millionen Euro im Jahr 2015 auf rund 400 Millionen Euro. Und auch die Zahl der Dampfer wächst stetig: Bis Ende 2016 griffen rund 3,5 Millionen zur tabak- und rauchfreien Alternative. Dabei wurde die E-Zigarette vorher jahrelang von der Tabakindustrie und Rauchern als Nischenprodukt belächelt.

An die Zahlen der herkömmlichen Zigarette kommen „Dampfer“ aber auch heute noch lange nicht heran: Der Umsatz mit Zigaretten betrug laut dem Statistischen Bundesamt 2016 rund 20,5 Milliarden Euro. Auch wenn die Zahl in den letzten Jahren rückläufig ist, greift immer noch rund jeder vierte Deutsche zwischendurch zum Glimmstängel.

Doch schon 2023 könnte die Verwendung von E-Zigaretten den weltweiten Konsum von Zigaretten überschreiten. So errechnet es die Bank Wells Fargo in einer Prognose. Bei Betrachtung der Konsumenten der E-Zigarette erscheint das durchaus plausibel: Eine Studie des Bundesgesundheitsministeriums ergab, dass etwa 91 Prozent aller E-Zigarette-Konsumenten Ex-Raucher sind, die auf die E-Zigarette umgestiegen sind. Denn: Raucher verbinden laut Umfrageergebnissen mit dem Umstieg häufig die Hoffnung weniger zu rauchen (35,4 Prozent), eine weniger schädliche Alternative gefunden zu haben (28 Prozent), oder gänzlich ihre Sucht zu besiegen (18 Prozent).

„Gute Vorsätze genießen“

Es ist also nicht erstaunlich, dass auch die großen Tabakkonzerne den Markt für sich entdeckt haben und nun ihre eigenen Produkte auf dem Markt positionieren wollen. So wirbt der Tabakriese Philip Morris mit dem Slogan „Das ändert alles“ für seine Hybrid-Zigarette iQOS, British American Tobacco wirbt mit bunten Farben und dem Slogan „Dampf different“ und der Anbieter be posh spricht von „Guten Vorsätzen“. Ob reine E-Zigarette, als „Heated Tobacco“ oder „Hybrid-Zigarette“, das Statement ist klar: E-Zigaretten sind chic, angesagt und besser für die Gesundheit.

Dabei ist die Außenwerbung eine der wenigen Optionen, um für die elektronischen Zigaretten überhaupt marketingwirksam Werbung zu machen. Denn die E-Zigarette fällt unter das Tabakrecht in Deutschland, welches zuletzt im Mai 2017 angepasst wurde. „Wir haben die E-Zigaretten reguliert, aber keinesfalls verboten“, sagt Maria Flachsbarth, parlamentarische Staatssekretärin im Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft. Denn das Tabakrecht sieht auch vor, dass keine Werbung im Hörfunk, Fernsehen, sonstiger Presse oder Internet für die Produkte geschaltet werden darf. Und auch mit Plakatwerbung soll bald Schluss sein: Es existiert ein Gesetzesentwurf, der festschreiben würde, dass auch für nikotinfreie Dampfmaschinen ab 2020 nicht mehr in der Außenwerbung oder im Kino geworben werden darf.

Auch der Verkauf, die Kennzeichnungspflicht und ganz allgemein die Produktregulierung wird mit dem Tabakrecht geklärt. So muss jede Packung mit nikotinhaltigen Flüssigkeiten gewissen Größenbestimmungen genügen, einen Warnhinweis enthalten („Dieses Produkt enthält Nikotin: einen Stoff, der sehr stark abhängig macht.“) und darf nicht an Personen unter 18 Jahren verkauft werden.

Dennoch unterliegt die E-Zigarette nicht dem staatlichen Bundesnichtraucherschutzgesetz, sondern ist über die Nichtraucherschutzgesetze der einzelnen Bundesländer geregelt. Hinzu kommt, dass E-Zigaretten nicht unter die gleichen Verbraucherschutzregeln fallen wie normale Zigaretten. Wie verschieden die Regelungen sind, zeigt auch der Kartenstapel.

Auch international erfolgt die Regulierung der E-Zigarette sehr unterschiedlich: So wird in Großbritannien beispielsweise die E-Zigarette durchaus von Politik und Wissenschaft befürwortet. So sagt Peter Hajek, Professor für Klinische Psychologie an der Queen Mary University of London: „Die EU Tabakrichtlinie versucht Dampfen zu limitieren, indem sie E-Zigaretten Regularien unterwirft, die strenger sind als für herkömmliche Zigaretten. Diese Bevorzugung von Zigaretten gegenüber deutlich weniger schädlichen Alternativen ist schlecht für die öffentliche Gesundheit und sollte angefochten werden.” In vielen anderen Ländern wird der Konsum und Handel mit E-Zigaretten-Produkten dagegen deutlich restriktiver gehandhabt. Eine Vielzahl an Ländern haben die Einfuhr und Verkauf der E-Zigarette und manche sogar die Nutzung vollständig verboten. Oftmals der Grund: die fehlende Nachweisbarkeit, dass E-Zigaretten bei der Rauchentwöhnung helfen, und die nicht geklärten gesundheitlichen Risiken.

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5 Kommentare

  • Kurbelursel

    03.07.2017, 16:15 Uhr

    Mehr als die Hälfte der Raucher ist nicht süchtig. Sie sind keine hilfsbedürftigen Patienten, sondern es geht darum. dass Erwachsene ggf. eine Gewohnheit ändern oder ablegen. – Mit tabaklosen mobilen Liqudverdampfern ist das ziemlich einfach.
    Aber zunächst mal sind sie als Menschen zu respektieren. Es ist ihre Entscheidung, zu rauchen, oder nicht. Es ist übergriffig, sich ständig und ungefragt einzumischen.

    Das Thema tabakfreie Liqudverdampfen gehört nicht ins TabakerzeugnisG.
    Beim Nikotin verhält es sich ähnlich, wie beim Spinat. Die Wissenschaftler sind einem alten Irrtum aufgesessen und viele haben mit Studien nicht sauber gearbeitet.
    Die Wirkung von Nikotin OHNE die weiteren Zusatzstoffe im Tabakrauch ist kaum erforscht.

    Der Gesetzgeber (und die EU) riskieren mit der überflüssigen Warnung beim Konsumenten einen Nocebo-Effekts.

    Natürlich hat der tabakfreie mobile Liquidverdampfer auch nichts im Nichtraucherschutz verloren.
    Es wird nichts verbrannt, Umstehende werden nicht geschädigt.

    Die Gesellschaft wird noch weiter auseinander gerissen. Bei Menschen, die kein Genußmittel inhalieren (was ihr gutes Recht ist), wird mit übermäßigen Schutzgesetzen einer gefährlichen Hysterie Vorschub geleistet, die sich auch körperlich manifestieren kann.

    Man muss sich einfach an die Zeit und manchen geänderten Anblick gewöhnen.
    Früher hat man zuhause und sitzend gegessen und getrunken. Wie viele Menschen müssen heutzutage damit leben, dass überall jemand etwas im Gehen isst oder trinkt. Und sie müssen sich möglicherweise zusammen reißen, um nicht dick zu werden.

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  • Soraya

    04.07.2017, 12:29 Uhr

    Ich habe mir mit dem Dampfen das Rauchen abgewöhnt. Auch ich habe vorher meine Schachtel am Tag geraucht. Nun bin ich vollständig sucht frei seit Juni. Und stolz drauf. Es hilft sehr wohl bei der Abgewöhnung. Man muss es nur auch wollen und durch ziehen. Fühle mich seit dem fitter und klarer. Dampfe dennoch ab und zu Nikontinfreies Liquid .

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  • Lepaw van Effectrix

    10.07.2017, 13:29 Uhr

    Vaproizer ist die bessere Alternative zur E-Zigarette. Ist Älter besser erforscht und muss sich keine Sorgen wegen unbekannten schäden wegen Vikosemitteln. Aso kp wie eine schlechtere Alternative sich durchsetzen konnte

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    • 1roterdrache

      10.07.2017, 15:39 Uhr

      Der Vaporizer ist meines wissen ein Verdampfer der ohne Lösungsmittel auskommt, aber er setzt sich aus einen Grund nicht durch und zwar sein Preis. Ein Handelsüblicher Stift Vaporizer kostet um die 200 Euro, eine E-Zigarette kostet nur 30 Euro. Außerdem kann man im Stift Vaporizer nur Kräuter und Harze verdampfen und man muss genau aufpassen das man es richtig macht. Bei den E-Zigaretten ist es so, das eine Temperatur eingestellt wird, die für alle Liquids verwendet werden kann.

      Es kann auch sein das ich mich irre. Ich habe vor deinen Kommentar noch nie etwas über den Vaporizer gehört und habe mich nur schnell in die Thematik rein gelesen.

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