Feinstaub – Gift für unsere Gesundheit

Welche Auswirkungen hat Feinstaub auf unseren Körper?

0 Kommentare
  • 0

Feinstaub hat viele Quellen. Ganz gleich jedoch, ob er seinen Ursprung im Verkehr, der Industrie oder der Landwirtschaft hat, fest steht, dass er unserer Gesundheit schadet, wenn auch in unterschiedlicher Stärke. Über die Atemwege dringen die kleinen – für das menschliche Auge unsichtbaren – Partikel ungestört in den Körper, bis in die Lunge oder sogar in die Blutgefäße vor. Das kann fatale Folgen haben, schließlich können die Partikel Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems und der Lunge verursachen.

Einmal in der Lunge, verursacht der Feinstaub dort Entzündungsreaktionen. “Diese bleiben nicht auf die Lunge beschränkt, sondern führen dazu, dass Botenstoffe ausgesandt werden, die im ganzen Körper zu ähnlichen Reaktionen führen. Die kann man zwar nicht anhand von Symptomen messen, sie sind aber da und erhöhen das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, wie Herzrhythmusstörungen oder Herzinfarkte”, sagt Prof. Dr. Barbara Hoffmann, Umweltmedizinerin an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf. Ebenfalls als erwiesen gilt, dass sich der Feinstaub auf das Gleichgewicht des Nervensystems auswirkt und dieses in einen Erregungszustand versetzt, der unter anderem eine erhöhte Herzfrequenz oder einen Blutdruckanstieg zur Folge haben kann.

Das sind Erkrankungen, die einen im Zusammenhang mit Feinstaub vielleicht auf den ersten Blick überraschen würden, aber es gibt inzwischen eine ganze Reihe von Studien, die darauf hindeuten.

Prof. Dr. Annette Peters, Institut für Epidemiologie am Helmholtz Zentrum München.

Weitere Studien liefern Hinweise auf ein erhöhtes Risiko für neurokognitive Erkrankungen, wie Demenz oder Autismus, und setzen Feinstaub mit Krebserkrankungen und einem erhöhten Diabetesrisiko in Bezug. “Das sind Erkrankungen, die einen im Zusammenhang mit Feinstaub vielleicht auf den ersten Blick überraschen würden, aber es gibt inzwischen eine ganze Reihe von Studien, die darauf hindeuten”, sagt Prof. Dr. Annette Peters, Direktorin des Instituts für Epidemiologie am Helmholtz Zentrum München. “In diesem Bereich wird aktuell viel geforscht und ich denke in den nächsten Jahren werden viel mehr Studien von den Auswirkungen auf das Gehirn zur Verfügung stehen.”

Besonders schädlich scheint dabei Ultrafeinstaub zu sein, jene Partikel also, die weniger als 0,1 Mikrometer klein sind. “Über Ultrafeinstaub wissen wir, dass er Membranen passieren und damit auch ins Blut übertreten kann und, dass das Immunsystem ihn deutlich schlechter bekämpfen kann”, sagt Hoffmann. “Außerdem haben Ultrafeinstäube im Vergleich zu größeren Stäuben eine größere Oberfläche und bieten damit mehr Anknüpfungsfläche für chemische Reaktionen, die zu Entzündungen führen können”. All dies, so Hoffmann, sorge dafür, dass sich Ultrafeinstäube in Experimenten als besonders toxisch erwiesen hätten. “Es gibt Belege dafür, dass der Ultrafeinstaub besonders gefährlich ist. Aus epidemiologischer Sicht sind Messungen und Studien zu diesem Thema allerdings deutlich schwerer anzustellen, da Ultrafeinstäube nicht routinemäßig gemessen werden”, sagt Peters. “Deshalb gibt es in diesem Bereich noch viele unbekannte Größen”.

Besonders gefährdet für die von Feinstaub ausgelösten Erkrankungen sind Menschen, die schon Vorerkrankungen haben. Bei ihnen kann eine akute Erhöhung der Feinstaubbelastung mit einer starken Verschlechterung ihrer Krankheit einhergehen.”

Prof. Dr. Barbara Hoffmann, Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf

Ganz allgemein gilt: “Besonders gefährdet für die von Feinstaub ausgelösten Erkrankungen sind Menschen, die schon Vorerkrankungen haben. Bei ihnen kann eine akute Erhöhung der Feinstaubbelastung mit einer starken Verschlechterung ihrer Krankheit einhergehen”, sagt Barbara Hoffmann. Ähnlich gefährdet sind Kinder, deren Lungen und Immunsysteme noch nicht voll entwickelt sind. “Es ist allerdings davon auszugehen, dass Feinstaub auf uns alle wirkt und nicht nur auf diese Risikogruppen. In der Mitte unseres Lebens haben wir lediglich die Möglichkeit den Stress, den der Feinstaub im Körper auslöst, besser abzupuffern”, sagt Annette Peters.

Obwohl die Gefahren, die von Feinstaub ausgehen, weltweit inzwischen als problematisch wahrgenommen werden, sind sie lange noch nicht gebannt, sagt Peters: “Wir haben in Europa das Problem, dass der Grenzwert für Feinstaub mit 25 Mikrogramm pro Kubikmeter für PM2.5 nicht in der Lage ist, unsere Gesundheit zu schützen und weit über den Richtwerten liegt, die von der WHO empfohlen werden”. Diese sieht eine Menge von zehn Mikrogramm vor, in den USA liegt der Grenzwert aktuell bei zwölf. “Da müssen wir ansetzen und den Grenzwert dringend herabsetzen”, sagt Peters. Sie wünscht sich darüber hinaus vor allem eine Fokussierung der Debatte auf die Quellen des Feinstaubs und damit auf die Strategien zur Vermeidung der Produktion. Für Barbara Hoffmann ist dabei klar, dass sich die Politik einschalten muss: “Der Einzelne kann zwar Kleinigkeiten beitragen, aber insgesamt muss der Schutz hier vor allem von politischer Seite kommen und bei den Hauptproduzenten ansetzen. Sowohl in der Landwirtschaft, der Industrie als auch beim Verkehr sehe ich noch jede Menge Luft nach oben die Bevölkerung vor Feinstaub zu schützen, indem man Emissionen reduziert”.

Debattiere mit!

Deine Emailadresse wird nicht veröffentlicht.

0 Kommentare

Mehr zu dem Thema

  • 0
  • 2
  • 0
  • 1
  • 2
  • 4