Foto: Barbara Hartmann

Was wir über das Bildungsniveau der ankommenden Flüchtlinge wissen

Ein Gespräch mit Prof. Dr. Ludger Wößmann

0 Kommentare
  • 1

Was wissen wir über das Bildungsniveau der ankommenden Flüchtlinge?

Leider gibt es bislang keine belastbaren Daten zu dem Bildungsniveau der Flüchtlinge und es wird viel mit Vermutungen argumentiert. Das ist natürlich ein Problem, denn wenn man eine aktive Politik zur Integration gestalten möchte, muss man zumindest wissen mit welchem Hintergrund die Menschen hier ankommen. Es gibt aber verschiedene Indikatoren und Quellen, die ein recht einheitliches Bild abgeben und erste Schlüsse zulassen. Wir haben zudem für die OECD gerade erst die Schulbildung in insgesamt 81 Ländern miteinander verglichen, daraus lassen sich beispielsweise auch Rückschlüsse für das Bildungsniveau in Syrien ziehen.

„In vergleichbaren Schulstufen wird international bei Weitem nicht der gleiche Inhalt vermittelt.“

Wie sah die Studie aus und was sind die Erkenntnisse daraus?

Wir haben unabhängig von der Flüchtlingsthematik eine Studie gemacht, bei der wir die Ergebnisse der PISA-Studie 2012 von 15-Jährigen mit denen der TIMSS-Studie von Achtklässlern in 2011 verglichen haben. Auch Syrien hat an der TIMSS-Studie teilgenommen, so dass wir einen guten Einblick haben, was die mathematischen und naturwissenschaftlichen Kompetenzen der heute etwa 18-Jährigen Teilnehmer anbelangt. Dabei ergab sich, dass in Deutschland 16% der Schülerinnen und Schüler nicht über die absoluten Grundkompetenzen hinauskamen, während das in Syrien beispielsweise 65% der Schülerinnen und Schüler betraf. In vergleichbaren Schulstufen wird also international bei Weitem nicht der gleiche Inhalt vermittelt.

Was bedeutet das für die Integration in Schulen und den Arbeitsmarkt?

Die Zahlen sagen vor allem aus, dass wir uns bei der Arbeitsmarktintegration keiner Illusion hingeben dürfen. Viele der Flüchtlinge würden wohl selbst nach einem erfolgreichen Spracherwerb dem Unterrichtsgeschehen in deutschen Schulen und Berufsschulen nicht so einfach folgen können. Daher müssen wir hier noch realistischer sein. Wir sollten jeden schulisch und qualifikatorisch soweit fördern, wie es möglich ist. Dazu brauchen wir Angebote, die jedem, der hier ankommt, die besten Optionen liefert. So könnte man mehr Ausbildungsbegleiter bereitstellen oder auch auf teilqualifizierende Berufsausbildungen setzen. Dadurch könnte man zunächst verstärkt auf die praktischen Elemente der Ausbildung eingehen und auch einen schnelleren Berufseinstieg ermöglichen.

 

„Wenn wir aber eine realistische Integration machen wollen, dann müssen wir die Fakten anschauen und davon ausgehend überlegen, was wir machen müssen.“

Wurden in der Debatte die wissenschaftlichen Fakten vernachlässigt?

Wenn man sich das Integrationsgesetz anschaut, wurde einiges von dem, was die Wissenschaft für die Arbeitsmarktintegration forderte, aufgegriffen. In der öffentlichen Diskussion ist es aber als Wissenschaftler mitunter schwer. Denn wenn man darauf hinweist, dass Integration möglicherweise schwieriger wird als man denkt, wird man schnell in eine politische Ecke gestellt, mit der man nichts zu tun hat und nichts zu tun haben will. Wenn wir aber eine realistische Integration machen wollen, dann müssen wir die Fakten anschauen und davon ausgehend überlegen, was wir machen müssen. Nur so kann die Integration auch tatsächlich gelingen.

Zur Person

Prof. Dr. Ludger Wößmann leitet das ifo Zentrum für Bildungsökonomik am ifo Institut – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung an der Universität München und ist Professor für Volkswirtschaftslehre an der Ludwig-Maximilians-Universität München.

Foto: Barbara Hartmann

Debattiere mit!

Deine Emailadresse wird nicht veröffentlicht.

0 Kommentare

Mehr zu dem Thema

  • 0
  • 0
  • 0
  • 0
  • 0
  • 2
Wir benutzen Cookies um die Nutzerfreundlichkeit der Webseite zu verbessen. Durch Deinen Besuch stimmst Du dem zu.