Genchirurgie: Auf dem Weg zur Superpflanze?

Die Debatte zu Genchirurgie im Schloss Herrenhausen in Hannover.

26 Kommentare
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Wir würden gerne erfahren, was Sie persönlich über Genchirurgie denken und wie Ihnen die-debatte.org gefällt. Nehmen Sie hier an unserer 5-minütigen Umfrage teil. Die Antworten werden von der Abteilung für Kommunikations- und Medienwissenschaften der TU Braunschweig in einem begleitenden Forschungsprojekt ausgewertet.

Ertragreichere Pflanzen gegen den Hunger in der Welt? Pflanzen, die sich selbst vor Schädlingen schützen? Robuste Pflanzensorten, die dem Klimawandel trotzen? Möglich machen soll all das die Grüne Gentechnik. Dank der Entdeckung von Genscheren wie CRISPR/Cas9 erlebt die Pflanzenzüchtung derzeit eine Revolution, denn die Methode ist schnell, präzise und deutlich kostengünstiger als bisherige Verfahren.

Doch wie genau funktionieren Genscheren? Welche neuen Pflanzensorten lassen sich mit der Genchirurgie züchten? Und braucht es neue Regulierungen, um Risiken für unsere Gesundheit und die Umwelt zu minimieren?

Diese und andere Fragen rund um das Thema Genchirurgie bei Pflanzen haben wir mit Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern bei „Die Debatte” am 1.11.2017 in Hannover diskutiert. Auf dem Podium zu Gast waren Prof. Jens Boch vom Institut für Pflanzengenetik an der Leibniz Universität Hannover, Sarah Bechtold vom Institut Technik-Theologie-Naturwissenschaften an der Ludwig-Maximilians-Universität München und Thomas Rippel, Bio-Landwirt in der Schweiz. Christoph Koch (Stern) und Dr. Mai Thi Nguyen-Kim (ZDF/funk) moderierten die Veranstaltung.

Bürgerinnen und Bürger waren dazu aufgerufen, mitzudiskutieren und ihre eigenen Fragen mit einzubringen  vor Ort, per Twitter oder Facebook.

Eindrücke der Debatte im Schloss Herrenhausen:

Das Auditorium war gut besucht. Foto: Michael Löwa/WiD
Der Pflanzengenetiker Prof. Dr. Jens Boch arbeitet gegen Pflanzenkrankheiten. Foto: Michael Löwa/WiD
Sarah Bechtold vom Institut Technik-Theologie-Naturwissenschaften an der LMU München: Was ist eigentlich natürlich? Foto: Michael Löwa/WiD
Es ist nicht klar, dass Ernteausfälle mit Genome Editing zu vermeiden wären, sagt der bio-dynamische Bauer Thomas Rippel. Foto: Michael Löwa/WiD
Applaus vom Publikum für eine spannende Debatte. Foto: Michael Löwa/WiD

Prof. Dr. Jens Boch

„Endlich ist es möglich auf ‚biologische‘ Art und Weise Lösungen für die vielfältigen Probleme der Welternährung zu gewinnen.“

Foto: Maren Wichmann

Sarah Bechtold

„Für die Medizin ein Segen, in der Landwirtschaft ein Fluch. Genome Editing wird alles andere als einheitlich beurteilt. Könnte es sein, dass die Technik selbst gar nicht das Problem ist?“

Foto: privat

Thomas Rippel

„Bislang fanden jegliche Veränderungen sehr langsam und geographisch begrenzt statt, so blieben negative Auswirkungen von Fehlzüchtungen auf die menschliche Gesundheit und auf Ökosysteme jeweils begrenzt.“

Foto: privat

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26 Kommentare

  • Michael O.

    17.10.2017, 10:12 Uhr

    Ist es moralisch richtig beim Kartoffelanbau in Europa bewusst mehr Fläche und Fungizide zu verbrauchen wenn mittels Genschere ein Resistenzgen ahs der Wildkartoffel in die Speisekartoffel übertragen werden kann?
    (Die Knollenfäule verursacht Ernteausfall von 20-40%.)

    12
    • Redaktion Die Debatte

      03.11.2017, 15:09 Uhr

      Lieber Michael,

      leider konnte Ihre Frage nicht direkt bei der Live-Debatte beantwortet werden. Der Einsatz von Pestiziden in der Landwirtschaft wurde jedoch während der Debatte immer wieder thematisiert. Speziell zum Kartoffelanbau äußert sich Thomas Rippel ab 01:25:00 im Video, welches Sie oben auf dieser Seite finden.

      Viele Grüße
      Ihr Debatten-Team

      0
  • Christoph Graul

    29.10.2017, 8:57 Uhr

    Studien haben ergeben, dass es in Deutschland immer weniger Insekten gibt.
    Als eine Ursache wurde der Einsatz von Insektiziden in der Landwirtschaft genannt.
    Die Gentechnik wird teilweise auch dazu eingesetzt, um Pflanzen so zu verändern, dass sie selber Gift gegen Schädlinge produzieren.
    Es wird dann nicht nur wenige Male pro Jahr Gift ausgebracht, sondern es ist ständig vorhanden.
    Verschlimmert dies nicht das Insektensterben, vor allem wenn sich die veränderten Pflanzen über die Felder hinaus ausbreiten, wo bislang kein Gift ausgebracht wurde?

    4
    • Joshua Paschukos

      29.10.2017, 22:44 Uhr

      Und dann wundert man sich das es keine Vögel mehr in Deutschland gibt.

      0
    • Götz Hensel

      30.10.2017, 12:07 Uhr

      Keine Landwirtschaft kommt ohne ‚Gift‘ aus. Nur beim Biobauern sind eben keine chemischen oder synthetischen Mittel erlaubt. Aber auch er verwendet Pflanzenschutz oder netter formuliert Pflanzenstärkungsmittel.

      Das ‚Gift‘ der gentechnisch veränderten Pflanze ist spezifisch gegen einen oder wenige Insekten/Schaderreger gerichtet, wogegen alle anderen, ob biologisch oder chemisch hergestellt, ungerichtet gegen mehrere, wenn nicht alle Insekten wirken. Was ist ihrer Meinung nach besser für die Vielfalt?

      4
    • Dr. Dennis Reckwell

      01.11.2017, 10:25 Uhr

      Beim klassischen Landbau werden Unmengen von Insektiziden auf die Äcker gesprüht. Ein Großteil davon gelangt so logischerweise nicht nur auf die Nutzpflanzen sondern auf den Ackerboden und schlußendlich in das Grundwasser, das teilweise zu dem erwähnten Artensterben führt.
      Bei GVO Pflanzen die Insektizide enthalten ist das Gift IN der Pflanze gebunden, demnach gelangt viel weniger in die Umwelt!
      Darüber hinaus besteht theoretisch die Möglichkeit Pflanzen so zu erzeugen, dass sie das Gift nur bei tatsächlichen Insektenbefall erzeugen. Damit wäre das Gift nicht ständig vorhanden.
      Demnach bieten GVO Pflanzen die Möglichkeit Umweltbelastungen durch Insektizide zu reduzieren.

      5
    • René

      01.11.2017, 19:00 Uhr

      Betroffen von einer transgenen Pflanze mit eingebrachtem Resistenzgen wären nur diejenigen Insekten, die die betreffende Pflanze fressen. Ausgebrachte Insektizide können auch am Körper eines Insekts haften bleiben und später (z.B. bei Bienen) in den Stock getragen werden, wo das Insektizid direkt auf die Larven gebracht wird.

      1
  • Christian Kupsch

    29.10.2017, 10:14 Uhr

    Ich glaube, die Zukunft der Landwirtschaft liegt eher in ‘controlled environments’. In Holland haben sie damit (dank ihrer Bewächshauserfahrung) unglaubliche Effizienzsteigerungen erreicht. Sogar eine ganze Universität dort (WUG) ist an der Spitze der internationalen Agrarforschung. Teilweise bis zu 90% weniger Wasser- und Pestizidbedarf. Und diese Dinge sind sogar schneller umzusetzen als CRISPR und benötigen keine aufwändigen Zulassungsverfahren. 🙂

    3
    • Götz Hensel

      30.10.2017, 12:09 Uhr

      Wollen Sie ernsthaft die deutschen/europäischen Äcker in Gewächshäuser verwandeln? Das kann ja nur ein Scherz sein.

      2
  • Anna Böhm

    31.10.2017, 20:35 Uhr

    Ist es moralisch vertretbar, wenn man die Möglichkeit hat, Leid und frühzeitigen Tod zu verhindern, es nicht zu tun? Im Falle von CRISPR z.B. Erbkrankheiten im vorraus zu heilen bei Embryonen.
    Und wenn man das tut, wo ist dann der Anfang und wo das Ende? Wenn man nicht Menschen schon vor Krankheiten schützt, warum macht man ihnen keinen besseren Stoffwechsel? Oder vollere Haare, etc.?

    2
    • Redaktion Die Debatte

      03.11.2017, 12:31 Uhr

      Liebe Frau Böhm,

      vielen Dank für Ihre Frage! Da wir uns bei unserer Live-Debatte auf Genchirurgie bei Pflanzen beschränkt haben, konnte Ihre Frage leider nicht eingebracht werden.
      Antworten können Sie aber in unserem Interview mit dem Vorsitzenden des Deutschen Ethikrats, Prof. Dabrock, finden: https://www.die-debatte.org/genchirurgie-interview-dabrock/
      Auch in einem Artikel beschäftigen wir uns mit der ethischen Perspektive auf Genchirurgie: https://www.die-debatte.org/genchirurgie-ethik/

      Viele Grüße
      Ihr Debatten-Team

      0
  • Hagen Wiedenhöfer

    01.11.2017, 18:00 Uhr

    Wie soll man die Gefahr, die die CRSPR-/Cas 9- Methode darstellt, international bewältigen?
    Wie kann man eine Lösung finden mit der alle einverstanden sind?
    In welcher Form soll man CRISPR nutzen dürfen und wie ist das zu kontrollieren und umzusetzen?

    0
    • Andrea W.

      01.11.2017, 19:02 Uhr

      Ich halte die Technik nicht für kontrollierbar. Die Schäden tragen wie immer die Verbraucher, verdient wird bei den großen Konzernen die über den Zugang zu der Technik verfügen.

      0
  • Andrea W.

    01.11.2017, 18:57 Uhr

    Was ist mit der Wahlfreiheit der Verbraucher ? Nachweisbar sind die Veränderungen meines Wissens bisher nicht ?! Wie können Schadpflanzen nach Ausbringung gefunden werden, sollten diese Umweltprobleme verursachen ?

    0
  • Andrea W.

    01.11.2017, 19:00 Uhr

    Wer haftet für eventuelle negative Auswirkungen ? Verlust von Biodiversity? Toxische Pflanzen in der Umwelt ? Jedes Unternehmen muss seine Schäden absichern, warum nicht in diesem Fall ? Die letzte Generation GVO Pflanzen hat nur Kosten für die Industrie verursacht. Diese Kosten werden an die Verbraucher durchgereicht ?

    1
  • Daniel S.

    01.11.2017, 19:15 Uhr

    Der Online-Stream ist derzeit leider nicht mehr verfügbar..

    2
    • Christoph Graul

      01.11.2017, 19:18 Uhr

      Bei mir leider auch nicht. Zumindest weiß ich jetzt, dass es nicht an meinem PC liegt.

      0
    • Redaktion Die Debatte

      03.11.2017, 12:09 Uhr

      Hallo Daniel,

      wir entschuldigen uns für die anfänglichen technischen Probleme mit dem Livestream. Sie können die gesamte Debatte jetzt auf dieser Seite oben noch einmal ansehen.

      Viele Grüße
      Ihr Debatten-Team

      0
  • Rainer Kurlemann

    01.11.2017, 19:59 Uhr

    Gibt es wichtige Züchtungsziele, die nur mit Gene-Editing erreicht werden können? Das wäre doch ein Grund, diese Verfahren einzusetzen.

    2
    • Hagen Wiedenhöfer

      01.11.2017, 20:09 Uhr

      Ich denke, es würde ohne Genom Editing nur viel länger dauert…

      0
    • Hagen Wiedenhöfer

      01.11.2017, 20:21 Uhr

      Mal eine technische Frage;
      wie verbindet sich die CRISPR-Begleit-DNS mit Cas 9?

      0
    • Redaktion Die Debatte

      03.11.2017, 12:15 Uhr

      Lieber Herr Kurlemann,

      Ihre Frage wurde am Ende der Live-Debatte unserem Experten Prof. Boch gestellt. Im Video oben gibt er ab 01:27:38 eine Antwort darauf.

      Viele Grüße
      Ihr Debatten-Team

      0
  • Hagen Wiedenhöfer

    01.11.2017, 20:05 Uhr

    Und was ist mit den zahllosen Veränderungen auf Menschen; schließlich könnte man jeden Teil seiner DNS verändern/ zerschneiden…
    Wie will man diese Veränderungen kontrollieren?
    Und wie sollte man diese zahllosen Veränderungen legallisieren?

    0
    • Redaktion Die Debatte

      03.11.2017, 12:36 Uhr

      Lieber Herr Wiedenhöfer,

      vielen Dank für Ihre Frage! Da wir uns bei unserer Live-Debatte auf Genchirurgie bei Pflanzen beschränkt haben, konnte Ihre Frage leider nicht eingebracht werden.
      Antworten können Sie aber in unserem Interview mit dem Vorsitzenden des Deutschen Ethikrats, Prof. Dabrock, finden: https://www.die-debatte.org/genchirurgie-interview-dabrock/
      Auch in einem Artikel beschäftigen wir uns mit der ethischen Perspektive auf Genchirurgie: https://www.die-debatte.org/genchirurgie-ethik/

      Viele Grüße
      Ihr Debatten-Team

      1
  • Hagen Wiedenhöfer

    01.11.2017, 20:24 Uhr

    Mal eine technische Frage ( ich hatte sie vorher als Antwort gestellt);
    Wie verbindet sich die CRISPR-Begleit-DNS mit dem Cas 9-Enzym?

    0
    • Robert Hoffie

      03.11.2017, 13:52 Uhr

      Das Enzym Cas9 ist die eigentliche „Gen-Schere“. Damit es an einer bestimmten Stelle schneidet, braucht es ein Navigationssystem. Dabei handelt es sich um ein Stück RNA, also eine einzelsträngige Ribonukleinsäure (im Vergleich zur doppelsträngigen DNA). Cas9 und die sogenannte guide-RNA (gRNA) binden anhand spezifischer Strukturen aneinander und machen sich dann gemeinsam auf den Weg über die DNA des Zielorganismus. Wenn sie auf eine Sequenz stoßen, die mit den spezifischen 20 Basen der gRNA übereinstimmt, wird die DNA an dieser Position von Cas9 zerschnitten.
      Dieser Schnitt in der DNA wird dann von zelleigenen Reparaturmechanismen repariert. Bei dieser Reparatur können Fehler entstehen. Diese Fehler sind die Mutationen, auf die wir warten.

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