Warum der Einfluss von Social Bots überschätzt wird

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Ein Gespräch mit Dr. Ansgar Kellner

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Welche Wirkung haben Social Bots auf die Meinungsbildung?

Generell ist das Thema „Social Bots“ in den Medien gerade sehr präsent. Dadurch entsteht der Eindruck, dass sie ein schwerwiegendes Problem sind. Auch in Deutschland gibt es sicherlich einige Social Bots, allerdings gibt es bisher wenig Nachweise über ihre tatsächliche Wirkung. Meiner Meinung nach ist der Einfluss von Social Bots auf die Meinungsbildung in Deutschland bisher kein großes Problem. Allerdings ist langfristig eine Zunahme an Social Bots zu erwarten und durch die ständige Verbesserung der Algorithmen hinter den Social Bots wird es immer schwieriger diese zu identifizieren und deren tatsächliche Wirkung zu bemessen.

„Die vielseitigen Veröffentlichungen und Diskussionen über Social Bots zeugen von einer lebendigen Demokratie.“

Welche Folgen könnten Social Bots nachhaltig für Politik und Demokratie haben?

Ich glaube, dass die Auswirkungen von Social Bots auf das Vertrauen in die Politik und Demokratie zum jetzigen Zeitpunkt überschätzt werden. Insbesondere, weil es in Deutschland noch genügend andere seriöse Quellen gibt, um sich ein differenziertes Meinungsbild zu einem Thema zu machen. Zudem ist der Anteil derjenigen, die ihre Informationen ausschließlich aus den sozialen Medien beziehen, bisher noch zu gering, um tatsächlich von einem großen Einfluss der Social Bots auszugehen. Auch die vielseitigen Veröffentlichungen und Diskussionen über Social Bots zeugen vielmehr von einer lebendigen Demokratie. Auf lange Sicht gesehen muss allerdings regelmäßig geprüft werden, ob diese Annahmen Bestand haben.

Im September sind Bundestagswahlen – wie könnten Social Bots deren Ausgang beeinflussen?

Ich vermute, dass auch zur Bundestagswahl Social Bots eingesetzt werden – auch wenn viele Parteien bereits früh deren Nutzung ausgeschlossen haben. Einen großen Einfluss auf die Meinungsbildung werden sie vermutlich dennoch nicht haben. In diesem Zusammenhang kommt aber insbesondere den Journalisten eine verantwortungsvolle Rolle zu, wenn sie aktuelle Themen aus sozialen Netzwerken aufgreifen und über ihr Medium an eine breitere Öffentlichkeit verteilen. Aufgrund ihrer Multiplikatorenfunktion ist es daher wichtig, dass sie Meldungen aus sozialen Netzwerken mehrfach prüfen und so die Verbreitung falscher Informationen verhindern.

Welche Gegenmaßnahmen gegen die möglichen Effekte von Social Bots halten Sie für sinnvoll? Sollten diese schon zur Bundestagswahl ergriffen werden?

Die spezielle Kennzeichnung von Social Bots halte ich für schwer umsetzbar und auch nicht für wirksam, da viel schneller neue Bots erstellt werden, als diese gekennzeichnet werden könnten. Auch die automatische Löschung von Inhalten von Social Bots halte ich für falsch, da dies in Richtung Zensur ginge. Das würde eher der Demokratie als der Ausbreitung von Social Bots schaden. Konkrete Gegenmaßnahmen zur Bundestagswahl halte ich insgesamt nicht für relevant. Allerdings kann in diesem Zusammenhang das Wissen um die Existenz von Social Bots sicherlich nicht schaden, wenn der Nutzer sich das nächste Mal in den sozialen Medien informiert.

„Auch für den normalen Nutzer muss ersichtlich sein, welche Beiträge von einem Social Bot erstellt worden sind.“

Inwieweit leistet Ihre Forschung einen Beitrag zur Bekämpfung der Social Bots?

Das Wichtigste ist es Social Bots überhaupt zu erkennen. Auch für den normalen Nutzer muss ersichtlich sein, welche Beiträge von einem Social Bot erstellt worden sind. In unserem Forschungsprojekt PropStop versuchen wir diese Art der versteckten Propaganda mit Hilfe statistischer Methoden und Methoden des maschinellen Lernens automatisiert aufzudecken und für den Nutzer sichtbar zu machen. Wenn Social Bots auf diese Weise erkennbar werden würden, könnte der kritische Nutzer diese Information in seiner Entscheidungsfindung nutzen und unter Berücksichtigung anderer seriöser Nachrichtenquellen eine bessere Entscheidung fällen – was dann letztlich Medienkompetenz bedeutet.

Zur Person

Der Informatiker Dr. Ansgar Kellner arbeitet am Institut für Systemsicherheit der Technischen Universität Braunschweig. Er beschäftigt sich mit der Erkennung von Social Bots und ist an dem BMBF-geförderten Projekt „PropStop“ beteiligt. 

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