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Kosten des Klimawandels – Das war die Debatte

Eine Zusammenfassung

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Klimaschutz kostet Geld. Viel teurer wäre es allerdings, jetzt nichts zu tun. Das war nicht nur der allgemeine Tenor auf der 26. UN-Klimakonferenz in Glasgow. Es ist auch eine These, die sich durch sämtliche Beiträge unserer Debatte zu den Folgekosten des Klimawandels zieht. Denn darüber sind Wissenschaftler*innen einig: Nichts gegen den Klimawandel zu unternehmen kostet weit mehr als rechtzeitiger Klimaschutz. Oder anders gesagt: Klimaschutz ist ökonomisch sinnvoll, wie der Übersichtsartikel zu den Kosten des Klimawandels zeigt.

Welche Klimawandelkosten kommen auf Deutschland zu? Die letzte umfassende Schätzung – durchgeführt vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung – liegt bereits 14 Jahre zurück. Damals bezifferte Co-Autorin Claudia Kemfert die Kosten für die deutsche Volkswirtschaft innerhalb der nächsten 50 Jahre auf bis zu 800 Milliarden Euro. Nun geht ein Forschungsteam erneut dieser Frage nach. Dr. Markus Flaute – einer der Beteiligten – erzählt im Interview, wie derartige Schätzungen gelingen können. Zwar seien die Schätzungen mit vielen Unsicherheiten behaftet – schließlich weiß niemand, wann die nächste Flut kommt – doch ist auch Flaute sicher, dass „jeder Euro, den wir in Klimaschutz investieren [dazu führt], dass die Klimaschäden geringer ausfallen und wir uns weniger anpassen müssen.“

Kosten entstehen so oder so, die Frage ist nur: Für wen? Marina vom Kanal „Evolutionary“ fragt in ihrem neuen Video: Wer leidet in Deutschland am stärksten unter den Folgen des Klimawandels? Und wie sieht sozial gerechter Klimaschutz aus? Die Klimakosten-Modelle, auf die sich sich dabei bezieht, werden in diesem Listicle erklärt.

Unumstritten ist, dass reiner Klimaschutz nicht mehr ausreicht, um sich gegen die Erderwärmung zu wappnen. Bereits jetzt ist es 1,1 Grad wärmer als vor Beginn der Industrialisierung. Das bedeutet: Auch reiche Länder wie Deutschland müssen sich an den Klimawandel anpassen. Bereits im Jahr 2008 beschloss die Bundesregierung die „Deutsche Anpassungsstrategie an den Klimawandel“, und weit oben auf der Agenda steht der Umbau von Städten. So sollen sogenannte Schwammstädte Regenwasser als Ressource verwenden und extreme Regenfälle durch eine geschickte Stadtinfrastruktur ausbalanciert werden. Die Stadtplanerin Grit Diesing erzählt im Interview, wie das funktionieren kann.

Klar ist: Stadtentwicklung und Klimaanpassungen können nicht mehr unabhängig voneinander gedacht werden – davon ist auch Uwe Schneidewind überzeugt. Der ehemalige Präsident des Wuppertal Instituts für Klima, Umwelt, Energie und Oberbürgermeister der Stadt Wuppertal begründet seinen Wechsel in die Politik unter anderem damit, dass es nicht nur gute Klimaforschung, sondern auch „den politischen Willen zur Umsetzung und Gestaltung“ braucht. Im Interview erklärt er, wie er seine Stadt auf den Klimawandel vorbereiten will.

Es sind aber nicht nur Anpassungsmaßnahmen in Städten, die die Folgekosten in die Höhe treiben werden. Auch die Verkehrsinfrastruktur bedarf wegen der höheren Temperaturen einer Anpassung. Denn bereits jetzt führen Spurrinnen im Asphalt, Risse im Boden und Verformungen an Schienen zu tödlichen Unfällen. Der Klimawandel wird dies weiter verschlimmern, wie dieser Artikel zeigt.

Schäden an Straßen und Schienen haben aber noch viel weitreichendere Folgen: Sie verzögern streng getaktete Lieferketten. Ein Albtraum für jede*n Logistiker*in, denn jede Verzögerung verschlingt Unmengen an Geld – man denke nur an die über Tage feststeckende Ever Given im Suezkanal. Laut Klimawissenschaftler Prof. Dr. Anders Levermann muss sich die Wirtschaft in Zukunft wohl auf solch schwere Lieferkettenausfälle einstellen. Denn in unserer globalisierten Welt kann eine Überschwemmung in Thailand bedeuten, dass es in Europa plötzlich keine Festplatten mehr gibt. Und Überschwemmungen werden massiv zunehmen, erläutert Levermann im Interview.

Häufigere Extremwetterereignisse sind aber nur eine Folge des Klimawandels. So prognostiziert die Umweltmedizinerin Prof. Dr. Claudia Traidl-Hoffmann, dass auch Atemwegserkrankungen, Infektionskrankheiten und psychische Erkrankungen weiter ansteigen werden. Schon heute liegen die Gesundheitskosten von Allergien und Luftverschmutzung in Europa bei 200 bis 300 Milliarden Euro pro Jahr. Und der Klimawandel treibt diese Zahlen weiter in die Höhe, wie dieser Artikel zeigt.

Neben den indirekten Gesundheitsfolgen steigt in Deutschland aber vor allem die Anzahl an Menschen, die an den direkten Folgen von extremer Hitze versterben – 20.200 Todesfälle bei über 65-jährigen waren es allein im Jahr 2018. Dass jeder einzelne dieser Toten ein tragischer Schicksalsschlag für die Angehörigen ist, steht außer Frage. Wie diese Sterbefälle allerdings ökonomisch beziffert werden, ist eine heikle Debatte. Denn dazu muss erst einmal diese unethisch anmutende Frage beantwortet werden: Wieviel ist unserer Gesellschaft ein Lebensjahr wert? Prof. Dr. Nicolas Ziebarth, Gesundheitsökonom an der Cornell Universität in Ithaca, New York, gibt die Antwort im Interview.

Vor dem Hintergrund dieser heiklen Debatte stellt sich auch die Frage, ob wirklich alle Kosten des Klimawandels beziffert werden können und sollten. Was ist mit Biodiversitätsverlusten? Können beispielsweise Bienen allein auf ihren ökonomischen Nutzen reduziert werden? Die Antwort findet sich in diesem Artikel.

Es ist nämlich nicht nur der Mensch, der von den Auswirkungen des Klimawandels betroffen ist. Neben Bienen und vielen anderen Arten ist auch der deutsche Wald immer stärkeren Gefahren ausgesetzt. So wurden allein in den Jahren 2018 bis 2020 knapp 177 Millionen Kubikmeter Wald durch Extremwetterereignisse zerstört. Die daraus entstehenden Kosten für die Forstwirtschaft belaufen sich laut Forstexperte Prof. Dr. Matthias Dieter auf fast 13 Milliarden Euro. Nicht ganz so schlimm trifft es die Landwirtschaft, da Landwirt*innen das Glück haben, ihren Anbau kurzfristig verändern zu können. Nichtsdestotrotz meint auch die Volkswirtin Dr. Mareike Söder, dass die Landwirtschaft am meisten davon profitiert, „wenn die Politik Ziele aus dem Klima- oder Gewässerschutz einhält“ – und dass die beste Anpassung an den Klimawandel nach wie vor der Klimaschutz ist.

Davon sind im Übrigen nicht nur Wissenschaftler*innen überzeugt: Auch von uns interviewte Passant*innen in der Berliner Innenstadt waren einhellig der Meinung: Es ist Zeit für effektiven Klimaschutz.

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