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Kryptowährung – Das Geld von morgen?

Könnten virtuelle Währungen zukünftig klassische Währungen ersetzen?

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Die Währung der Zukunft könnte virtuell sein. Kryptowährungen wie Bitcoin oder Ethereum sind aktuell so wertvoll wie noch nie und erobern zunehmend den Finanzmarkt. Dabei haben sie ihren Ursprung woanders. 

Kryptowährungen wurden ursprünglich als elektronisches Geld konzipiert und erfüllen vor allem eine wichtige Funktion für die Blockchain-Technologie. Denn als virtuelle Währung machen sie viele Blockchain-Anwendungen erst möglich und sind gleichzeitig der finanzielle Anreiz, um Blockchains fortzuschreiben. Heute machen Kryptowährungen vor allem als Investment Furore und wecken zunehmend das Interesse von Investor*innen und privaten Anleger*innen. Als alternative Währung haben sie so auch das Potential, das etablierte Geldsystem langfristig zu revolutionieren. 

Gemeinsamkeiten und Unterschiede zu klassischen Währungen

„Im Wesentlichen sind Bitcoins das digitale Äquivalent zu Gold. Man kann sie sparen, sie als Zahlungsmittel verwenden und man könnte sich ebenfalls vorstellen, dass der Bitcoin als einheitlicher Vergleichsmaßstab für die Festlegung von Preisen herangezogen wird.“

– Prof. Dr. Alfred Taudes, Wirtschaftsuniversität Wien

Eine rein virtuelle Währung als Ersatz für Geld klingt auf den ersten Blick abstrakt und schwer vorstellbar. Schaut man allerdings genauer hin, so wird klar, dass Kryptowährungen sich gar nicht so stark von altbekannten Währungen unterscheiden, wie man zunächst vermuten könnte. Ganz allgemein erfüllt Geld stets drei wesentliche Funktionen: Geld lässt sich sparen (Wertaufbewahrungsfunktion), Geld dient als allgemein akzeptiertes Zahlungsmittel (Tauschmittelfunktion) und Geld ist der Vergleichsmaßstab zur Wertbenennung von Gütern oder Dienstleistungen (Recheneinheitsfunktion). Mit Blick auf etablierte Währungen wie beispielsweise Euro und Dollar erschließen sich diese Funktionen sofort. 

Und auch Kryptowährungen erfüllen diese drei Eigenschaften. „Im Wesentlichen sind Bitcoins das digitale Äquivalent zu Gold“, sagt Prof. Dr. Alfred Taudes vom Forschungsinstitut für Kryptoökonomie an der Wirtschaftsuniversität Wien. „Man kann sie sparen, sie als Zahlungsmittel verwenden und man könnte sich ebenfalls vorstellen, dass der Bitcoin als einheitlicher Vergleichsmaßstab für die Festlegung von Preisen herangezogen wird.“

Der wesentliche Unterschied zu klassischem Geld besteht darin, wie das Geld bereitgestellt wird. „Als zentrale Instanz verwalten üblicherweise Notenbanken das Geld und verfolgen über die Steuerung der Geldmenge wichtige volkswirtschaftliche Ziele, wie die Sicherung der Preisstabilität oder die Ankurbelung der Wirtschaft“, sagt Taudes. Kryptowährungen sind demgegenüber dezentral ohne übergeordnete Instanz organisiert und werden nur vom zugrundeliegenden Computerprotokoll und einer Community gesteuert. 

In dieser Dezentralität liegt einer der Vorteile der Kryptowährung. Durch sie fallen sogenannte Intermediäre – also ‚vertrauenswürdige Dritte’ –  wie Banken oder Bezahldienstleister wie PayPal oder Google Pay bei Transaktionen komplett weg. Eben diese Entkopplung der Währung von Notenbanken und dem Bankensystem war der Grundgedanke bei der Entwicklung von Bitcoin. „Bitcoin wurde als Antwort auf die globale Finanzkrise geschaffen, als im Rahmen der Lehman Brothers-Pleite und der darauf folgenden Krise sichtbar wurde, dass das bestehende Finanzsystem nicht in der Lage war, die Volkswirtschaften vor einer Wirtschaftskrise zu schützen“, sagt Taudes.

Preisspekulationen und schwankende Kurse

„Bislang hat die breite Bevölkerung noch gar keine Kryptowährungen. Wenn diese aber erst einmal beginnt, Kryptowährungen nachzufragen und auch für den regulären Zahlungsverkehr zu verwenden, wird der Kurs weiter steigen.“

– Prof. Dr. Wolfgang Prinz, Fraunhofer-Institut für Angewandte Informationstechnik FIT

Einen Nachteil hat das Fehlen einer zentralen Steuerungsinstanz jedoch. Kryptowährungen sind deutlich anfälliger für Kursschwankungen als nationale Währungen. So fiel der Wert eines Bitcoins im April 2021 von zwischenzeitlich 53.136 € (15.4.) innerhalb von zehn Tagen auf 39.200 €. Im April 2020 lag der Kurs hingegen noch bei gut 7.000 € pro Bitcoin.

 

Die starken Kurssteigerungen beim Bitcoin sind vor allem darauf zurückzuführen, dass die Mehrheit von Bitcoins bereits im Umlauf ist und gleichzeitig die Nachfrage zuletzt stark gestiegen ist“, sagt Prof. Dr. Wolfgang Prinz, stellvertretender Institutsleiter des Fraunhofer-Institut für Angewandte Informationstechnik FIT, an welchem die Entwicklung und Analyse von Blockchain-Anwendungen vorangetrieben wird. 

Die gestiegene Nachfrage zeigt sich auch in den weltweiten Investitionen von Unternehmen und Hedgefonds in Kryptowährungen. Zuletzt investierte Tesla-Gründer Elon Musk 1,5 Milliarden Dollar in Bitcoins. Im März 2021 führte Musks Ankündigung, einen Tesla zukünftig auch in Bitcoins bezahlen zu können, zu einem neuen Hype an den Märkten, der inzwischen auch private Anleger*innen erreicht. „Vieles, was wir momentan an den Märkten erleben, ist Spekulation“, sagt Prinz. Dennoch sieht er die Kursentwicklung noch nicht am Ende: „Bislang hat die breite Bevölkerung noch gar keine Kryptowährungen. Wenn diese aber erst einmal beginnt, Kryptowährungen nachzufragen und auch für den regulären Zahlungsverkehr zu verwenden, wird der Kurs weiter steigen“.

Trotzdem halten die Experten es in der näheren Zukunft nicht für wahrscheinlich, dass sich Kryptowährungen wie Bitcoin als permanentes Zahlungsmittel etablieren. Zu stark sind die Kursschwankungen von einem Tag auf den anderen. Allerdings gibt es unter den aktuell rund 10.000 verschiedenen Kryptowährungen auch solche, die an einen festen Währungskorb gebunden sind. Diese sogenannten ‚stablecoins’ sind im Wert stabiler, weshalb Expert*innen in ihnen grundsätzlich mehr das Potenzial sehen, das uns bekannte Geld langfristig abzulösen.

Kommt nun der digitale Euro?

„Wenn ein Unternehmen wie Facebook mit knapp 2 Milliarden Nutzern weltweit ernst macht und seine Kryptowährung einführt, wird das der Verbreitung von Kryptowährungen einen massiven Schub geben.“

– Prof. Dr. Alfred Taudes, Wirtschaftsuniversität Wien

Als noch größere Konkurrenz zu klassischem Geld sieht Alfred Taudes jedoch virtuelle Währungen von global agierenden Unternehmen wie Alibaba, WeChat oder Facebook. Allein WeChatPay wird eigenen Angaben zufolge in China bereits von mehr als 800 Millionen Menschen zur Bezahlung in Geschäften genutzt. Facebook hingegen plant noch für 2021 die Einführung einer eigenen Kryptowährung. Der Diem – so der Name der Facebook-Währung – beruht ebenfalls auf der Blockchain-Technologie, wird aber gleichzeitig fest an bestehende Währungen gekoppelt. „Wenn ein Unternehmen wie Facebook mit knapp 2 Milliarden Nutzern weltweit ernst macht und seine Kryptowährung einführt, wird das der Verbreitung von Kryptowährungen einen massiven Schub geben“, so Taudes.

Auch deshalb bereitet die Europäische Union bereits die Einführung eines digitalen Euros vor. Dieser soll allerdings nicht von einem dezentralen Protokoll, sondern von der Europäischen Zentralbank (EZB) verwaltet werden. Damit könnte digitales Bezahlen bei mit einer stabilen Währung noch datensicherer werden und böte gleichzeitig noch ganz andere Möglichkeiten. „Durch die dahinterliegende Technologie wäre es denkbar, Geld zweckgebunden einsetzen zu können“, sagt Prinz. „So könnte beispielsweise in der Blockchain festgelegt werden, wofür das jeweilige Geld – beispielsweise eine Spende oder Taschengeld – verwendet werden darf. Sobald es für etwas anderes ausgegeben werden würde, wäre das Geld ungültig“.

Auch wenn der breite Einsatz von digitaler Währung noch wie eine ferne Vision klingt, rückt diese doch in greifbare Nähe. Zuletzt sprach die EZB-Präsidentin Christine Lagarde von einem Zeitraum von fünf Jahren, bis der digitale Euro eingeführt werden soll – ein Zeitraum den sowohl Taudes als auch Prinz durchaus für realistisch halten. „Ob eine digitale Währung tatsächlich auch von der Gesellschaft akzeptiert würde, ist eine Frage, die sich bisher noch nicht beantwortet lässt“, so Prinz. 

 

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