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Der Einsatzzweck ist entscheidend für die Akzeptanz

Ein Interview mit Robin Kellermann

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Sie haben eine Studie zur Akzeptanz von umbenannten Luftfahrzeugen durchgeführt. Könnten Sie kurz zum Einstieg erläutern, was genau Sie wie untersucht haben?

Ziel der Umfrage war es, die Akzeptanz der deutschen Bevölkerung hinsichtlich des Einsatzes von Flugtaxis und Lieferdrohnen zu beleuchten. Wir fokussieren uns im Projekt Sky Limits auf die Technologie unbemannter Luftfahrzeuge für Transportzwecke, also den Einsatz von Drohnen für Paketlieferungen oder auch den Personenverkehr. Wir haben gefragt, welche Einstellung die deutsche Bevölkerung gegenüber einer solchen möglichen Entwicklung hat, welche Nutzungsabsichten bestehen und welche Faktoren aus Sicht der Bevölkerung ausschlaggebend sind, diese Technologieangebote zu nutzen oder eben auch nicht zu nutzen.

Gibt es Einsatzgebiete, in denen die Bevölkerung Drohnen besonders begrüßt oder ihnen besonders kritisch gegenübersteht?

Mehrheitlich befürwortet wird der Einsatz von Lieferdrohnen und Flugtaxis für medizinische Notfälle. Nur maximal jeder fünfte Befragte befürwortet hingegen den Einsatz von Lieferdrohnen für private Konsumzwecke – also für persönliche Lieferung von Konsumgegenständen oder auch für den Personentransport. Es gibt also eine große Diskrepanz zwischen den Einsatzzwecken, wenn es um die Akzeptanz in der Bevölkerung geht.

Welche Gründe oder Sorgen spiegeln sich aus ihrer Sicht in diesen Antworten?

Es gibt mehrere Akzeptanzfaktoren, die ausschlaggebend sind. Ganz wichtig ist zum Beispiel der Nutzen der Technologie. Bezüglich der Nützlichkeit von Lieferdrohnen besteht eine ziemlich große Skepsis unter den Befragten. Dass Lieferdrohnen einen wirklichen Mehrwert haben, wird beispielsweise von 61 Prozent der Befragten bezweifelt – bei Flugtaxis sogar von 68 Prozent. Die Mehrheit der Befragten glaubt also nicht, dass diese neue Technologie das Leben einfacher macht und tatsächlich im Alltag einen Nutzen bringt. Der fehlende Nutzen ist also ein zentrales Akzeptanzhemmnis. Ein zweites Akzeptanzhemmnis ist die Sicherheit. Hier befürchten 75 Prozent der Befragten, dass Lieferdrohnen eher oder voll und ganz zu Unfällen führen könnten, bei Flugtaxis glauben dies sogar 81 Prozent.

Ein dritter Akzeptanzfaktor, der sich eher negativ auf die Nutzungsbereitschaft gegenüber Lieferdrohnen und Flugtaxis auswirkt ist der Punkt der Lebensqualität. 40 Prozent der Befragten sehen keine positive Auswirkung auf die Lebensqualität in den Städten. Die Mehrheit befürchtet sogar eine Verschlechterung der Lebensqualität durch den Einsatz dieser Technologien. Geringer Nutzen, hohe Sicherheitsrisikowahrnehmung und die Wahrnehmung einer verringerten Lebensqualität sind somit zusammengenommen die Hauptgründe für die mehrheitliche Skepsis der Bevölkerung.

Wie viele Menschen in Deutschland können sich denn vorstellen, in ein Flugtaxi zu steigen oder eine Drohne für Paketlieferungen zu nutzen?

21 Prozent der Befragten können sich generell vorstellen, Lieferdrohnen für ihre eigenen Zwecke zu nutzen. 18 Prozent der Befragten können es sich vorstellen, Flugtaxis für ihre individuelle Mobilität zu nutzen. Das heißt es gibt einen Teil der Bevölkerung, der bereit wäre, diese Technologie zu benutzen.

Welche Ergebnisse Ihrer Studie haben Sie besonders überrascht?

Uns hat zum einen besonders überrascht, dass der Faktor der Nutzungsbereitschaft gegenüber der DLR-Studie von 2018 tatsächlich nochmal um ein Drittel zurückgegangen ist. Das heißt, offensichtlich sind wir an einem neuen Tiefpunkt der Akzeptanz dieser neuen Technologie angekommen. Während in der DLR-Studie von 2018 um die 30 Prozent der Befragten noch sagten, dass sie sich vorstellen könnten, Lieferdrohnen für ihren persönlichen Gebrauch nutzen, sind es jetzt nur noch 21 Prozent. Dass der Rückgang so deutlich ist gegenüber der letzten großen Studie, die auch methodisch und in Hinsicht der Formulierung der Fragen vergleichbar war, ist schon überraschend. Der zweite überraschende Punkt ist die offensichtliche Relevanz der Umweltfreundlichkeit, die Transportdrohnen überwiegend nicht attestiert wurde. Hierbei war es weniger überraschend, dass die Bevölkerung einfordert, dass die neue Technologie umweltfreundlich sein muss, sondern überraschend war das Ausmaß dieser Forderung.

Warum denken Sie, hat sich die Akzeptanz verringert?

Darüber kann man nur spekulieren, denn die Gründe der gegenüber früheren Studien veränderten Akzeptanzlage haben wir nicht erhoben. Eine mögliche Erklärung aber ist, dass es auf gesellschaftspolitische Veränderungen zurückzuführen ist, die sich in den letzten zwei Jahren forciert und formiert haben. Die Studie wurde vor der Corona-Pandemie durchgeführt und damit zu einem Zeitpunkt, an dem die Medien von Dingen wie Abgasskandal, Grenzwertübersteigungen von Stickstoffemissionen, Feinstaubemissionen, nicht erfüllten Nachhaltigkeitszielen, oder auch der Fridays-for-Future-Bewegung geprägt waren. Eine mögliche Erklärung ist somit, dass der Akzeptanzrückgang gegenüber Lieferdrohnen und Flugtaxis mit der allgemeinen Sensibilisierung für nachhaltigen Verkehr zusammenhängt.

Inwiefern beeinflussen soziodemographische Faktoren diese Einstellungen?

Es zeigt sich, dass Alter und Geschlecht starken Einfluss auf die Akzeptanz und Nutzungsbereitschaft von Transportdrohnen ausüben. So würden etwa Befragte zwischen 30 bis 39 Jahren mehr als dreimal so häufig ein Flugtaxi für ihre individuelle Mobilität nutzen wie Befragte über 60 Jahren. Zudem zeigte sich, dass Männer Lieferdrohnen und Flugtaxis eher nutzen würden als Frauen. Entsprechend stimmten weibliche Befragte häufiger als männliche Befragte auch der Aussage zu, dass Transportdrohnen prinzipiell gar nicht eingesetzt werden sollten.

Positionen

Robin Kellermann ist Mobilitätsforscher an der TU Berlin und Projektkoordinator „Sky Limits“. Sky Limits ist ein gemeinsames Projekt von Wissenschaft im Dialog (WiD) und der TU Berlin, in dem Chancen und Herausforderungen durch Transportdrohnen systematisch erfasst und aufgedeckt werden sollen.

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