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Medienkompetenz – das sagen die Parteien

Die Positionen in voller Länge

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Wie sollten Kinder den Umgang mit digitalen Medien erlernen?

Nadine Schön, MdB, CDU/CSU:

Vieles bringen sich die Kinder hier selbst bei. Aber das alleine reicht nicht: Wir müssen unsere Kinder begleiten – zu Hause, in der Kita oder Schule. Wir müssen unsere Kinder über die Chancen aber auch Gefahren aufklären. Sie müssen lernen, sinn- und maßvoll mit Smartphones, Tablets und Co. umzugehen. Dafür müssen wir die Kinder fächerübergreifend in Medien- und Digitalkompetenz schulen. Sie brauchen ein Grundverständnis von IT und Programmieren, aber auch Kenntnisse über IT-Sicherheit oder Datenschutz.

Um hier fit zu werden, müssen auch die Erwachsenen die entsprechenden Kompetenzen erwerben. Oft hinken Eltern und Lehrer den Fähigkeiten der Kinder hinterher. Deswegen brauchen wir mehr Beratung für Eltern. Lehrpersonal muss so geschult sein, dass sie die Geräte sinnvoll einsetzen können und über eine MINT-Qualifikation verfügen. Dafür müssen wir die pädagogische Aus- und Weiterbildung der Fachkräfte anpassen.

Darüber hinaus müssen wir in die technische Ausstattung an Kindergärten und Schulen investieren. Fünf Milliarden Euro will der Bund mit dem DigitalPakt#D in Computer, Tablets und WLAN in allen Schulen investieren. Das ist eine sinnvolle Maßnahme, die wir in dieser Legislaturperiode schnell angehen müssen.

Lars Klingbeil, MdB, SPD:

Digitale Medien können bei der Informationsbeschaffung eine Rolle spielen, bei der Organisation und beim informationellen oder künstlerischen Aufbereiten von Lerninhalten, aber auch beim Basteln und ersten, spielerischen Schritten in der Programmierung.

Nicola Beer, MdB, FDP:

Moderne Lehrmethoden und eine moderne technische Ausstattung müssen Hand in Hand gehen und Kinder im Umgang mit digitalen Medien fachgerecht schulen. Unser Bildungssystem braucht dazu dringend ein umfangreiches Update. Das betrifft einerseits die Ausstattung. Ein Tablet wird für Schüler künftig zur Grundausstattung gehören. Wir fordern daher Investitionen in digitale Bildung in Höhe von 1.000 Euro pro Schüler. Gleichzeitig müssen Kinder durch eine kompetente Anleitung an digitale Medien herangeführt werden. Das bedeutet, dass wir unsere Lehrmethoden und Lehrpläne modernisieren und an das digitale Zeitalter anpassen müssen. Dasselbe gilt für die Aus- und Weiterbildung des Lehrpersonals.

Tabea Rößner, MdB, Bündnis90/Die Grünen:

Wir wollen bei der Vermittlung von Medienkompetenz möglichst früh ansetzen: Schon in der Grundschule können Kinder auf einen möglichst souveränen Umgang mit digitalen Medien vorbereitet werden. Wir begreifen Medienkompetenz als fächerübergreifende Kompetenz, die konsequenterweise auch nicht isoliert als eigenes Fach gelehrt werden sollte. Vielmehr sollte ein bewusster Umgang mit digitalen und analogen Medien in die Didaktik der Lehrenden integriert werden. Eine wesentliche Herausforderung stellt daher auch die kontinuierliche Weiterbildung der Lehrenden im Hinblick auf digitale Kompetenzen dar.

Die Vermittlung von Medien- und Datenschutzkompetenz muss als Querschnittsaufgabe in der gesamten Jugendhilfe gestärkt werden. Hierzu sind entsprechende Fortbildungsprogramme für die Fachkräfte erforderlich. Wo es möglich ist, müssen die Angebote in der Fort- und Weiterbildung schon jetzt entsprechend ergänzt werden. Ein Ergebnis der ICIL-Studie von 2013 war, dass zwar die Lehrkräfte dem IT-Einsatz im Unterricht durchaus positiv gegenüber stehen, dass aber der Einsatz von Computern im Unterricht und die gezielte Förderung computer- und informationsbezogener Fähigkeiten in Deutschland unterdurchschnittlich ausgeprägt waren. Da Bund und Länder seit Ende 2016 auf das gemeinsame Programm („DigitalPakt Schule“) hin verhandelt haben, ist zu befürchten, dass in der Zwischenzeit kaum weitere konkrete Fortschritte gemacht wurden. Anreize können aber vor allem dadurch gesetzt werden, dass an allen Schulen die Möglichkeiten für den digital unterstützten Unterricht auf den notwendigen Stand gebracht werden.

Anke Domscheit-Berg, MdB, DIE LINKE:

Der Umgang mit Medien stellt Kinder vor große Herausforderungen, denn gerade in Verbindung mit dem Internet gibt es einen erst mal unbegrenzten Zugang auch zu kindergefährdenden Inhalten, den Kinder nicht einordnen und verstehen können und der für ihre Entwicklung gefährlich sein kann (alles von Gewalt bis Porno z.B.). Sie müssen Konzepte der Privatsphäre verstehen und anwenden lernen – und ihre eigene sowie die Privatsphäre Dritter schützen lernen. Sie müssen lernen, was Identität im Internet bedeutet und dass eine behauptete Identität nicht mit der tatsächlichen übereinstimmen muss, dass eine Information aus dem Internet auch falsch sein kann und welche Vorsicht man dabei walten lassen muss, wenn man sie bewerten und verwenden oder auf sie bauen möchte. Alles das können Kinder nicht unbegleitet und ungeschützt. Deshalb sollten Eltern die ersten Begleiter sein und gemeinsam mit den Kindern den Weg in das Internet und mit digitalen Medien beschreiten. Bei eigenen Geräten sollte man gewisse Einstellungen vornehmen und z.B. das Surfen auf ein Kinderportal beschränken. Außerdem sollte es zeitliche Beschränkungen geben, viele offene Gespräche mit den Kindern über ihre Erfahrungen, öfter einen Blick über die Schulter und einen Austausch mit anderen Eltern. Die Schule spielt jedoch auch eine Rolle dabei, Medienkompetenz und Informatik sollten schon im Grundschulalter in den Lehrkanon einfließen, denn in der 8. und 9. Klasse kommen viele Inhalte zu spät für die Erfahrungswelten heutiger Grundschüler.

 

Anmerkung der Redaktion: Von der AfD ist bis Redaktionsschluss kein entsprechendes Statement eingegangen, weshalb die Positionen der Partei in dem Artikel nicht berücksichtigt werden können.

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