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Die Statements der Politiker zu Geoengineering

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Wie bewerten Sie den Einsatz von Geoengineering in Bezug auf Lösungsansätze für den Klimawandel? Sollte die Forschung an Geoengineering intensiviert und weiter gestärkt werden?

Astrid Damerow, MdB, CDU:

Neben Vermeidungs- und Anpassungsstrategien wird in den letzten Jahren verstärkt über Geoengineering (oder auch Climate-Engineering) zur Bekämpfung des Klimawandels diskutiert. Besonders im Fokus steht dabei aktuell das marine Geoengineering.

Bisher können schädigende Effekte auf die Umwelt durch Maßnahmen des Geoengineerings nicht ausgeschlossen werden und zudem ist die tatsächliche Eignung und Klimawirkung nicht belegt. Forschung in diesem Bereich, vor allem in Hinblick auf die Folgen dieser Technologien, halte ich daher für richtig. Gerade aber weil es sich um große Eingriffe in die Umwelt handelt, muss die Forschung streng kontrolliert und reglementiert werden. Die kommerzielle Nutzung dagegen muss vollständig ausgeschlossen sein.

An erster Stelle steht für mich zur Erreichung der Klimaziele die Reduzierung und Vermeidung klimarelevanter Emissionen. Parallel dazu muss gesamtgesellschaftlich an unterschiedlichen Anpassungsstrategien gearbeitet werden. Bezüglich manipulativer Eingriffe durch Maßnahmen des Geoengineerings bin ich skeptisch, ich halte solche nicht für den richtigen Weg.

 

René Röspel, MdB, SPD:

Neben sicherlich unausweichlichen Anpassungen („Adaptation“) an den Klimawandel (wie z.B. Deicherhöhungen) muss Klimapolitik auf Vermeidung und Milderung („Mitigation“) ausgerichtet sein. Die Priorität der Forschung und vor allem unseres Handelns muss also auf Einsparen, Effizienz und Nutzung Erneuerbarer Energie („EEE“) liegen. Die größten Hürden dabei liegen aber wahrscheinlich gar nicht in der technischen Machbarkeit, sondern bei der gesellschaftlichen Umsetzung.

Eine verstärkte Forschung oder sogar Nutzung von Geoengineering (GE) würde möglicherweise den Eindruck erwecken, man brauche sich bei EEE weniger zu engagieren, da Klimawandel über Verfahren des GE gebremst werden könne. Ein unverantwortlicher, evtl. sogar verhängnisvoller Trugschluss, der vermieden werden muss. Zudem wirken bestimmte Verfahren in ihrer Gesamtbilanz sogar negativ, wenn z.B. die CO2-Abscheidung bei Kraftwerken deren Wirkungsgrad verschlechtert.

Bei der Forschung sollte der Förderschwerpunkt deshalb auch bei EEE liegen (übrigens nicht nur bei der technischen, sondern auch der gesellschaftlichen Umsetzung). Da Wissenschaft aber frei ist, GE differenziert betrachtet werden muss und auch nicht immer eindeutig abgegrenzt werden kann (die Abscheidung von Kohlenstoffverbindungen aus Industrie„abfällen“ unter Einsatz von EE-Strom erscheint z.B. sinnvoll), gibt es viele Bereiche, in denen Forschung intensiviert werden sollte, während andere (wie z.B. Meeresdüngung zur Bindung von CO2) nicht weiter verfolgt werden müssen.

 

Lisa Badum, MdB, Bündnis 90/Die Grünen:

Eine einseitige und problemverkürzende technische Instrumentendebatte um eine nur in Ansätzen realistische, nachträgliche Treibhausgas-Entnahme nützt in der Klimakrise niemandem. Zur Bekämpfung der Klimakrise ist allen sektorbezogenen Maßnahmen, die dazu führen, dass der weitere Ausstoß von Treibhausgasemissionen in die Atmosphäre verhindert oder reduziert wird, politisch und finanziell Vorrang einzuräumen vor Maßnahmen, die darauf abzielen, eingetragenes Treibhausgas durch künstliche Eingriffe in die Ökosysteme – gegebenenfalls – nachträglich zu entnehmen. Die ökologischen und ökonomischen Risiken überwiegen hier ziemlich. Wir Menschen sollten nicht Gott spielen.

Die Bundesregierung muss sicherstellen, dass die Schwerpunkte der staatlich geförderten Klimaforschung nicht von Minderungs- und Anpassungsmaßnahmen hin zur Erforschung von Geoengineering verlagert werden. Auch bleibt es weiterhin wichtig, und wird sogar immer wichtiger, die Forschung im Bereich Messungen und Dokumentation sicherzustellen. Wir müssen die aktuellen Entwicklungen bei Temperaturen, Meeresspiegeln, Polareisausdehnung etc. genauestens kennen, um daran anknüpfend die richtigen politischen Maßnahmen im Bereich Klimakrisenprävention, Klimanothilfe und -anpassung zu formulieren.

 

Ralph Lenkert, MdB, DIE LINKE:

Geoengineering kann eine nachhaltige Klimapolitik nicht ersetzen. Es bietet allenfalls Potential, regional zur Linderung von Symptomen des Klimawandels beizutragen. Lösungsansätze für den Klimawandel bietet es nicht. Kurzfristige Lösungsansätze durch die Verminderung der Strahlung bzw. der Vergrößerung der Albedo ganzer Regionen können unbekannte Neben- oder Rückkopplungseffekte haben. Wie langwierig negative Auswirkungen von „Laborversuchen“ an der Atmosphäre sein können, erleben wir bei den Ozonlöchern. Die jahrzehntelange Ausbringung von FCKW ohne Wissen über die Folgen, wurde zu einem gravierenden Mehr-Generationen-Problem.

Gemäß der Berichte des IPCC und des Klimaabkommens von Paris wird es selbst für das 2°-Ziel nötig sein, CO2 aus der Atmosphäre wieder zu entfernen und zu binden. Da die Abscheidung von CO2 mit anschließender unterirdischer Lagerung (CCS) zu Recht als Hochrisikotechnologie eingestuft wurde, ist dies kein Weg, der ohne gravierende Folgeprobleme begangen werden kann. Daher müssen Wege gefunden werden, CO2 sowohl biologisch als auch naturnah zu binden. Allerdings sind auch da riskante Nebenwirkungen, wie bei den deutschen Versuchen 2006, wahrscheinlich. In diesem Bereich muss noch sehr viel geforscht werden. Derzeit kann keine in Aussicht stehende Technologie die Notwendigkeit eines dramatischen Strukturwandels weltweit hin zu null CO2-Emissionen ersetzen.

 

Dr. Lukas Köhler, MdB, FDP:

Auf Grund der Vielzahl an Möglichkeiten, Geoengineering zu betreiben, kann es darauf keine einfache Antwort geben. Es kommt auf die einzelne Technologie, die Möglichkeit ihrer Umsetzung in technischer und finanzieller Hinsicht sowie die Chancen und Risiken an, die damit einhergehen. Verfahren, der Atmosphäre CO2 zu entziehen und dieses dauerhaft zu speichern, stellen meines Erachtens sinnvolle und realistische Optionen dar. Der jüngste IPCC-Sonderbericht zum 1,5 Grad-Ziel hat uns gerade wieder vor Augen geführt, dass technologische Lösungen in diesem Bereich essentiell sind, wenn wir unsere globalen Klimaziele erreichen wollen.

Die Forschung an Geoengineering sollte definitiv intensiviert und weiter gestärkt werden.
Es wäre Wahnsinn, das enorme Potential in den Köpfen der Ingenieure und Wissenschaftler nicht zu nutzen. Deshalb muss Forschung ohne Scheuklappen möglich sein – mit dem Ziel, die Ergebnisse gegebenenfalls auch zu nutzen. Natürlich gehört zu einer verantwortungsvollen Politik, immer auch die möglichen Risiken zu bedenken. Wahrscheinlich wird es nie eine Technologie geben, bei der Kollateralschäden zu 100 Prozent ausgeschlossen sind – weder beim Geoengineering noch bei Windrädern oder der E-Mobilität. Die Risiken müssen allerdings in Relation zu den Chancen sowie zu den potentiellen Folgen des Klimawandels gesetzt werden. Nur so kann letztlich eine rationale Diskussion über den Einsatz einzelner Technologien stattfinden. Sie durch eine fortschrittsfeindliche Ideologie von Anfang an zu verhindern, ist verantwortungslos.

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